In Baltimore normalisiert sich nach der Anklage der sechs Polizisten im Fall Freddie Gray die Lage: Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake hob das seit Montag geltende Ausgehverbot auf. Sie wolle das Verbot nicht länger als nötig aufrechterhalten, sagte sie.

Der Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, kündigte an, die nach den Unruhen nach Baltimore entsandten 3.000 Nationalgardisten und 1.000 Polizisten würden in den nächsten Tagen abgezogen. "Als ich (vergangenen) Montagabend in die Stadt kam, stand sie in Flammen", sagte Hogan. "Wir denken, es ist an der Zeit, die Kommune zur Normalität zurückkehren zu lassen." Die Woche sei schwierig gewesen, die ergriffenen Maßnahmen hätten aber für Sicherheit gesorgt, sagte Hogan.

Das Ausgehverbot zwischen 22 Uhr und 5 Uhr sollte ursprünglich noch für die Nacht zum Montag gelten. Seine Aufhebung war auch eine Forderung bei einer Demonstration am Samstag. Tausende nahmen daran im Gedenken an den 25-jährigen Afroamerikaner Gray teil, der nach seiner Festnahme am 12. April bei der Fahrt in einem Gefangenentransporter so schwere Verletzungen erlitt, dass er daran starb. Die Demonstration wurde zur "Siegeskundgebung" deklariert wurde, nachdem bekannt wurde, dass sechs an dem Übergriff beteiligte Polizisten angeklagt werden sollen.

Wie andere Organisationen hatte auch der Präsident von Black Lawyers for Justice, Malik Shabazz, bei der Kundgebung am Samstag gefordert, dass das Ausgehverbot sofort aufgehoben werden sollte. Niemand werde neue Gewalt in Baltimore starten, da alle auf den Gerichtsprozess gegen die Polizisten warteten, sagte Shabazz. Das Ausgehverbot sei beklemmend.

Bar- und Restaurantbesitzer sprachen sich ebenfalls dafür aus, weil sie Umsatzeinbußen befürchteten. Andere Organisationen forderten zudem, dass die Nationalgarde die Stadt im US-Staat Maryland wieder verlassen sollte.

Beschuldigte Polizisten wieder auf freiem Fuß

Staatsanwältin Marilyn Mosby hatte am Freitag mitgeteilt, sie klage die sechs an der Festnahme von Gray beteiligten Polizisten wegen schwerer Straftaten von bedingtem Mord bis Körperverletzung und Freiheitsberaubung an. Die sechs bereits vom Dienst suspendierten Polizisten kamen gegen Kautionszahlungen zwischen 250.000 bis 350.000 Dollar frei. Am 27. Mai sollen sie einem Richter vorgeführt werden.

Der Anwalt von Grays Familie, William Murphy, lobte das Vorgehen und den "beispiellosen Mut" der Staatsanwaltschaft. Die Polizeigewerkschaft in Baltimore sprach hingegen von einer "ungeheuerlichen Vorverurteilung".

Seit den Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown in der Stadt Ferguson im vergangenen August hat eine Reihe tödlicher Polizeieinsätze gegen Afroamerikaner in den USA für Empörung gesorgt. In mehreren Fällen zeigen von Passanten aufgenommene Videos brutales Vorgehen von Beamten. Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer der Polizeigewalt.