Der Mitte April in Haft gestorbene Freddie G. ist nicht der einzige Festgenommene in Baltimore, dem medizinische Hilfe verweigert wurde. Das legen Dokumente nahe, über die die Baltimore Sun berichtet. Demnach haben Haftaufseher zwischen Juni 2012 und April 2015 Hunderten Verletzten die Einweisung in ein Krankenhaus verweigert. Als Folge wurden etwa 2.600 Festgenommene mit zu schweren Verletzungen zum Stadtgefängnis von Baltimore gebracht. Laut dem Gesetz müssen verletzte Verdächtige medizinische Hilfe erhalten, bevor sie ins Gefängnis kommen.

Die Zeitung hatte die Unterlagen auf Grundlage des Maryland Public Information Act erhalten. Aus den Papieren geht hervor, dass 123 Häftlinge sichtbare Kopfverletzungen aufwiesen. Andere hatten gebrochene Knochen, Verletzungen im Gesicht und Bluthochdruck. Aus den Aufzeichnungen geht nicht hervor, ob die Verletzungen den Verdächtigen während der Zeit in Gewahrsam zugefügt wurden, oder ob die Verhafteten schon verletzt in Polizeigewahrsam kamen. Die Unterlagen legen jedoch nahe, dass die Polizei die Verletzungen ignorierte oder nicht bemerkte. Kriminologen und Strafvollzugsbehörden beklagen, den Polizisten fehle es an entsprechender Ausbildung, um Verletzungen zu erkennen.

Freddie G. war Mitte April gestorben. Der 25-Jährige hatte nach seiner offenbar ungerechtfertigten Festnahme so schwere Verletzungen an der Wirbelsäule erlitten, dass er eine Woche später daran starb. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sich während der Fahrt im Polizeitransporter das Genick brach. Sein Tod hatte tagelange Proteste und Straßenschlachten in der Stadt ausgelöst. Viele Afroamerikaner sehen den jungen Mann als jüngstes Opfer einer Serie tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. 

Die Staatsanwaltschaft von Baltimore ermittelt gegen sechs Polizisten wegen Mordes, das US-Justizministerium hat ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet. Das Ministerium soll klären, ob die Polizei der Stadt exzessive Gewalt gegen Schwarze anwendet und diese bei Festnahmen und Durchsuchungen diskriminiert. Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake hatte das Ministerium dazu aufgefordert.

Nach den tödlichen Polizeischüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown im August 2014 in der Kleinstadt Ferguson hatte eine ähnliche Untersuchung eine systematische Benachteiligung und routinemäßige Schikanierung von Afroamerikanern belegt. In Cleveland, wo ein Polizist im November den zwölfjährigen Schwarzen Tamir Rice erschoss, förderte ein Bericht des Justizministeriums ein Muster von "übermäßigem Gewalteinsatz" durch die Polizeitruppe der Stadt im Bundesstaat Ohio zutage.