Europäische Schiffe haben im Mittelmeer am Sonntag 2.152 Flüchtlinge gerettet. Die italienische Küstenwache koordiniert die Rettungseinsätze. Sie teilte mit, dass die Menschen in wackligen Booten in Richtung Europa unterwegs gewesen waren. Damit stieg die Zahl der am Wochenende im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge auf mehr als 6.300. Mehrere Einsätze seien noch im Gange.

Laut Küstenwache wurden jedoch auch zehn Flüchtlinge tot geborgen. Die Leichen seien bei drei verschiedenen Einsätzen geborgen worden. Bei einem Einsatz sei ein Frachtschiff als erstes vor Ort gewesen. Die Helfer hätten in einem Schlauchboot nördlich von Tripolis 105 Überlebende und drei Leichen gefunden. Die Besatzung eines italienischen Marinehubschraubers habe ein motorisiertes Schlauchboot gesichtet, dem die Luft ausging.

Flüchtlingsboote in Seenot wurden in so schneller Folge entdeckt, dass in einem Fall ein Marineschiff nach der Bergung von 90 Flüchtlingen gleich dem nächsten Boot zur Hilfe eilen musste. Bei einem Rettungseinsatz wurden 311 Menschen, darunter 16 Kinder, von einem Fischerboot der Menschenschmugglerflotte gerettet.

Am Samstag hatte die italienische Küstenwache bereits gemeldet, bei den von ihr koordinierten Einsätzen seien 3.670 Flüchtlinge gerettet worden. Die libysche Küstenwache griff derweil nahe der Küste rund 500 Migranten auf.

Die Zunahme des Flüchtlingsstroms in der warmen Jahreszeit und vor allem bei gutem Wetter wurde in Italien seit Wochen erwartet. Bei freundlichem Wetter setzen Menschenschmuggler noch mehr als sonst motorisierte Schlauchboote und klapprige Fischerboote ein, die oft schon kurz nach der Abfahrt beginnen, voll Wasser zu laufen. Sie sind meistens überfüllt, um den maximalen Profit zu erzielen: Jeder Migrant muss mehrere Hundert Euro für die Überfahrt zahlen.

Es kommt inzwischen häufiger vor, dass an einem oder zwei Tagen Tausende von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer geborgen werden. Der jüngste Großeinsatz brachte die Aufnahmelager auf Lampedusa an den Rand ihrer Aufnahmekapazität. Viele Flüchtlinge wurden deshalb nach Sizilien und auf das italienische Festland gebracht.

Rechtspopulisten wettern gegen Flüchtlinge

Der Exodus von Menschen, die vor Kriegen und wirtschaftlicher Not im Nahen Osten und afrikanischen Ländern fliehen, geht in diesem Jahr unvermindert weiter. Schon im vergangenen Jahr rettete Italien 170.000 Bootsflüchtlinge, das war eine Zunahme von 277 Prozent gegenüber 2013. Die italienische Regierung fordert von den anderen EU-Mitgliedern mehr Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms. Insgesamt versuchten nach Angaben der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex im vergangenen Jahr 280.000 Menschen, illegal in die EU zu gelangen.

Im vergangenen Monat hatte der Untergang eines Flüchtlingsschiffes für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die EU beschloss daraufhin, die Rettungsmission Triton zu verstärken.