Auf dem Roten Platz in Moskau hat unter extremen Sicherheitsvorkehrungen die größte Militärparade der Geschichte Russlands begonnen. Zum 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland nahm Kremlchef Wladimir Putin die pompöse Waffenschau ab. Neben Putin saß dabei Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Putin würdigte in einer Rede den "grandiosen Sieg" der Roten Armee über den Nationalsozialismus. Die sowjetischen Soldaten hätten damals die Europäer befreit, sagte Putin. Außerdem würdigte er die Rolle der westlichen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition.

Die aktuelle weltpolitische Lage kritisierte der russische Präsident deutlich. Er forderte ein weltweites Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung seien in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger verletzt worden, sagte er. Versuche, eine unipolare Welt zu schaffen, würden zunehmen. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. "Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten", betonte Putin.

Kritik an USA

Der russische Präsident nutze seine Ansprache auch, um die USA zu attackieren. Grundprinzipien internationaler Zusammenarbeit würden zunehmend ignoriert, sagte er. Trotz der Wichtigkeit einer solchen Kooperation habe man in den vergangenen Jahrzehnten "Versuche gesehen, eine einpolige Welt zu schaffen". Diese Redewendung wird von Russland benutzt, um das angebliche Ziel der Vereinigten Staaten zu kritisieren, das Weltgeschehen zu dominieren.  

Zu Beginn der Parade marschierten Fahnenträger auf dem Roten Platz mit dem Siegesbanner – der 1945 auf dem Reichstag in Berlin gehissten Flagge der Roten Armee. Auf einer Ehrentribüne verfolgten Hunderte Veteranen des Zweiten Weltkrieges sowie Staats- und Regierungschefs aus etwa 20 Ländern das Ereignis. Zu ihnen zählten unter anderem Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sissi, der indische Ministerpräsident Narendra Modi, der kubanische Staatschef Raúl Castro, Südafrikas Präsident Jacob Zuma, und Venezuelas Präsident Nicolás Maduro.

Bei der im Westen umstrittenen Parade ziehen mehr als 16.000 Soldaten sowie 200 Militärfahrzeuge, darunter Panzer und Raketenträger, über den Roten Platz. Das Finale soll eine Show mit etwa 140 Flugzeugen bilden.

Die meisten europäischen Staats- und Regierungschefs, die EU-Spitze und US-Präsident Barack Obama boykottieren aus Protest gegen Russlands Politik im Ukraine-Konflikt Moskaus Militärparade. Die Ukraine und der Westen sehen Russland als Aggressor und halten es deshalb für unangebracht, an einer Waffenschau teilzunehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will aber mit Putin an diesem Sonntag in Moskau am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen. Die Sowjetunion hatte im Kampf gegen den Faschismus mit mehr als 27 Millionen Toten die meisten Opfer zu beklagen.

Moskau sperrt den Luftraum für Flugshow

Russland sperrte für knapp eine Stunde den Luftraum über der Hauptstadt Moskau wegen der Flugmanöver der Luftwaffe. Auf den Flughäfen Wnukowo, Scheremetjewo und Domodedowo gab es zwischen 10.30 Uhr und 11.20 Uhr Ortszeit aus Sicherheitsgründen keine Starts und Landungen. 

Der Himmel über der Millionenstadt sei bis zu einer Höhe von neun Kilometern nur für Militärflugzeuge freigegeben, teilte die Flugaufsicht Medien zufolge mit. Fluggesellschaften seien vorab über die Sicherheitsvorkehrungen informiert worden, hieß es. 

In Westeuropa und in der Ukraine war bereits am Freitag an das Ende des Krieges in Europa durch die Kapitulation Hitlerdeutschlands erinnert worden. Frankreichs Staatspräsident François Hollande sagte, der 8. Mai sei kein Sieg einer Nation über eine andere. "Es war der Sieg eines Ideals über eine totalitäre Ideologie." US-Präsident Barack Obama sagte über die gefallenen alliierten Soldaten: "Das war die Generation, die ganz wörtlich die Welt gerettet hat."

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die getöteten Sowjetsoldaten, die Deutschland von der Nazi-Herrschaft befreit haben. Er legte auf dem zentralen sowjetischen Soldatenfriedhof im brandenburgischen Lebus einen Kranz nieder. Zuvor hatte er gemeinsam mit Merkel an einer Gedenkstunde im Bundestag teilgenommen.