"Wir haben Thunfisch und Mayonnaise erhalten. Was soll das?", fragt Nepals Finanzminister Ram Sharan Mahat. Sein Land brauche jetzt vor allem Getreide, Salz und Zucker.

Eine Woche nach dem Erdbeben in der Himalaya-Region verläuft die Katastrophenhilfe noch immer schleppend. Viele Straßen sind unpassierbar. Die abgelegenen Gebirgsregionen lassen sich schlecht erreichen, es gibt zu wenige Lkws und Fahrer. Ein Manager des Unternehmens Nepal Food sagte: "Obwohl unsere Getreidespeicher gefüllt sind und wir reichlich Nahrungsmittel haben, können wir die Auslieferung nicht beschleunigen." Zwar hätten Hubschrauber Instant-Nudeln und Kekse über den entlegenen Bergregionen abgeworfen, doch würden dort Reis und andere Nahrungsmittel benötigt, um richtige Mahlzeiten zu kochen.

Sowohl die betroffenen Nepalesen als auch internationale Hilfsorganisationen vor Ort kritisieren die Regierung seit Tagen dafür, dass sie zu langsam und chaotisch agiere. Auch würden Hilfsgüter vorwiegend an Verwandte der Beamten und Mitglieder und Günstlinge der regierenden Parteien ausgeliefert. Die logistische Verteilung der Hilfsgüter verzögert sich allerdings bereits am Flughafen in der Hauptstadt Kathmandu. Bisher seien lediglich Planen und Zelte von Einfuhrzöllen ausgenommen, kritisierten die Vereinten Nationen. Manche Pakete seien an der Grenze zu Indien gar abgewiesen worden. Der UN-Sprecher Jamie McGoldrick forderte die weitgehende Aufhebung von Zollbeschränkungen, damit die Hilfsgüter schnellstmöglich zu den Bedürftigen gelangen könnten.

8,1 Millionen Nepalesen sind direkt betroffen

Die Zahl der Toten in Nepal stieg unterdessen auf mehr als 7.040. Mit allmählich eintreffenden Informationen aus isolierten Gebieten ist mit weiteren Todesopfern zu rechnen. Mehr als 14.000 Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 7,9 verletzt. Tausende gelten als vermisst, darunter rund 1.000 Europäer. Nach Informationen der Vereinten Nationen wurden 600.000 Häuser zerstört oder beschädigt. Mehr als ein Viertel der nepalesischen Bevölkerung – 8,1 Millionen Menschen – seien von dem Beben direkt betroffen. Viele schlafen seitdem im Freien, teils aus Angst vor weiteren Erschütterungen, teils weil ihre Häuser zerstört sind. Gesundheitsexperten befürchten den Ausbruch von Seuchen, nicht zuletzt aufgrund der bevorstehenden Regenzeit. In den kommenden drei Monaten werden nach UN-Schätzungen mindestens zwei Millionen Zelte sowie Wasser, Essen und Medikamente benötigt.

Im Hilfsfonds des nepalesischen Premierministers Sushil Koirala sind mittlerweile rund 15 Millionen Euro eingegangen, vor allem von einheimischen Spendern. Der Finanzminister Ram Sharan Mahat beklagte, die meisten der Geldzusagen aus dem Ausland seien noch nicht bei ihm angekommen. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) fürchtet, dass wegen des Bebens die Wirtschaft Nepals in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfen könnte. Vor allem das Viertel der Nepalesen, das unter der absoluten Armutsgrenze von 170 Euro im Jahr lebe, werde weniger Geld zur Verfügung haben. Produktion und Tourismus würden leiden.