In der philippinischen Hauptstadt Manila sind 72 Menschen bei einem Brand in einer Schuhfabrik ums Leben gekommen. Ursache des Unglücks waren offenbar Schweißarbeiten, die Chemikalien entflammt hätten. Familien der Opfer beklagten mangelhafte Sicherheitsstandards.

Die Zahl der geborgenen Leichen entspreche der Zahl der vermissten Arbeiter, sagte der Bürgermeister des Gewerbevororts Valenzuela, Rex Gatchalian. Viele der Toten seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte der Chef der philippinischen Polizei, Leonardo Espina. Die Behörden untersuchten, was genau geschehen sei. Die Verantwortlichen für den Brand würden "mit Sicherheit" zur Rechenschaft gezogen.

Das Feuer in der Fabrik war am Mittwoch ausgebrochen, nachdem offenbar ein Funke bei Schweißarbeiten Chemikalien in Brand gesetzt hatte. In der Fabrik wurden billige Schuhe für den heimischen Markt hergestellt.

Kaum Notausgänge

Überlebende und Angehörige beklagten mangelhafte Sicherheitsstandards in der Firma. Offensichtlich gab es in dem Gebäude kaum Notausgänge. Außerdem sollen die Arbeiter keine Anweisungen für Notfälle bekommen haben. Eine verletzte Überlebende sagte dem Fernsehsender ABS-CBN, vielen ihrer Kollegen im zweiten Stock sei durch die Flammen der Fluchtweg versperrt gewesen. Sie selbst habe sich durch die Eingangstür retten können. Sie arbeite seit fünf Jahren in der Fabrik, berichtete Janet Victoriano weiter. In dieser Zeit habe sie in der Firma keine einzige Brandschutzübung erlebt.

Die 23-jährige Lisandro Mendoza saß gerade beim Essen, als das Feuer ausbrach. Als sie den Rauch bemerkt habe, sei sie zur Hintertür gerannt. "Wir rannten, ohne dass wir den richtigen Fluchtweg kannten", sagte sie.

Den Berichten zufolge waren die Arbeiter in der Produktionshalle von übelriechenden Chemikalien umgeben. Ihre Bezahlung lag offenbar unter dem auf den Philippinen geltenden Mindestlohn.

Auch Mendoza berichtete von schlechten Arbeitsbedingungen. Nach eigenen Angaben arbeitete die junge Frau an sieben Tagen pro Woche zwölf Stunden lang – für umgerechnet rund 70 Euro im Monat.