Die Anschlagspläne der rechtsextremistischen Terrorzelle "Oldschool Society" (OSS) waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden bereits weit fortgeschritten. "Nach unseren Ermittlungen bestand große Gefahr, dass die Mitglieder der Gruppe ihre Ziele umsetzen würden", sagte der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. "Wir hatten wegen ihrer Gewaltfantasien Sorge, dass sie völlig durchdrehen."

Die Gruppierung habe Anschläge gegen namhafte Salafisten, Moscheen und Asylbewerberunterkünfte geplant. "Der Gruppe gehören etwa zehn Mitglieder an, die per Internet kommunizierten, sich aber auch persönlich trafen. Ihre Planungen waren so weit fortgeschritten, dass man eingreifen musste", sagte Freier. "Es handelt sich bei ihnen um Personen, die nicht über eine hohe Intelligenz verfügen, sondern eher dumpf sind."

Mit Razzien in mehreren Bundesländern hatten Spezialeinheiten der Polizei die bisher unbekannte Terrorgruppe am Mittwoch zerschlagen. Die Bundesanwaltschaft ließ vier Verdächtige festnehmen, gegen fünf weitere Beschuldigte wird ermittelt. Bei der Razzia wurde auch Sprengstoff sichergestellt.  

Zwei der festgenommenen Männer sitzen in Untersuchungshaft. Sie waren noch am selben Tag dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe vorgeführt worden. Dieser habe die Untersuchungshaft angeordnet, teilte die Bundesanwaltschaft mit.  

Bei den beiden Männern handelt es sich zum einen um den in Augsburg festgenommenen 56-jährigen Andreas H., der der Rädelsführer der Gruppe gewesen sein soll. Der zweite Mann ist ein 47-Jähriger, der in Bochum festgenommen worden war. Noch am Donnerstag sollen der Bundesanwaltschaft zufolge die beiden anderen mutmaßlichen Mitglieder der OSS in Karlsruhe verhört werden.

Nach Informationen des Tagesspiegel wurde der Verfassungsschutz im August 2014 auf die Gruppe aufmerksam, als sich die nun Festgenommenen sowie fünf weitere Verdächtige im Internet verabredet hatten. Diese nachrichtendienstlichen Erkenntnisse von den Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der beteiligten Landesämter für Verfassungsschutz führten nun zu den Razzien.

Die Gruppe ist hierarchisch strukturiert. So existiert ne­ben den festgenommenen Präsidenten und Vizepräsidenten auch ein Chief of Security, der berechtigt ist, die Gruppenmitglieder zur Ordnung zu weisen, etwa wenn die sich auf Facebook mit falschen Freunden umgeben. Den Anweisungen der Führungsebene sei "unverzüglich Folge zu leisten", Zuwiderhandlung werde mit Ausschluss geahndet.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, dass die "Oldschool Society" vermutlich eng verknüpft mit der rechten Szene in Dortmund sei. Deren Demonstration Ende März habe die Gruppe mit Fotos, auf denen auch gezielt Gegendemonstranten und Journalisten gezeigt werden, dokumentiert.

Rechtes Weltbild und Waffenaffinität

Nach Informationen der Zeitung Die Welt sollen einige Führungskader aus dem Spektrum des organisierten Rechtsextremismus stammen. So soll einer ein ehemaliges NPD-Mitglied sein, ein anderer wiederum der inzwischen verbotenen nordrhein-westfälischen Kameradschaft "Aachener Land" angehört haben.  Mehrere Personen aus der rechtsextremen Szene hätten von August 2014 an auf Facebook offen über die Gründung einer neuen Organisation debattiert. In den Folgemonaten hätten sich die Verdächtigen getroffen, unter anderem bei der Demonstration "Hooligans gegen Salafisten", kurz HoGeSa, in Köln im Oktober 2014.

Aus der virtuellen Gruppe sei schließlich eine reale Organisation geworden, heißt es aus Ermittlerkreisen, "vereint durch ein rechtes Weltbild und Waffenaffinität". Es habe sich dann nicht mehr nur um "Stammtisch-Gerede" gehandelt, sondern um klare Planungen von gewalttätigen Aktionen. Das Gründungstreffen der OSS soll im November 2014 im sächsischen Frohburg, südlich von Leipzig, stattgefunden haben. Insgesamt geht der Verfassungsschutz von neun Gründungsmitgliedern aus.

3.000 Facebook-Likes

Fortan war die Gruppe über eine eigene Facebook-Seite aktiv, die zuletzt mehr als 3.000 Gefällt-Mir-Angaben zählte, bevor sie am Mittwoch gelöscht wurde. Auf ihr offenbarte sich die rechtsextreme Hetze des OSS gegen Flüchtlinge, linke Gruppierungen und Sympathien für die Pegida-Bewegung. Unter anderem war dort die Selbstverbrennung eines Asylbewerbers auf offener Straße in Niedersachsen mit "Ein Vorbild für Seinesgleichen" kommentiert worden.

Gestern wurde eine neue Facebook-Seite eingerichtet, die bislang allerdings nur wenig Zuspruch hat. Dort heißt es: "Die Organisation 'Oldschool Society' ist eine Verbindung gleichgesinnter Menschen die, die deutsche Kultur und ihre Werte leben." Auf der Seite wird vor allem gegen Muslime gehetzt. Ein Video mit dem Titel "Moslemische Asylbewerber belästigen deutsche Frauen" wurde gepostet, außerdem geht es um den "Islamisten Erdoğan". 

Wie Die Welt unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, wollte sich die Gruppierung wohl am kommenden Wochenende im sächsischen Borna treffen. Die Ermittler vermuteten, dass dort über mögliche Anschlagsplanungen gesprochen werden sollte.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, wertete die Festnahmen als Erfolg. "Trotz der vorherrschenden Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus behält der Verfassungsschutz auch die gewaltbereite rechts- und linksextremistische Szene in Deutschland fest im Blick", sagte Maaßen.