Der Hauptverdächtige des Anschlags auf ein Gaslager am Rande der französischen Stadt Lyon soll bestritten haben, dass er aus islamistischen Gründen seinen Chef geköpft habe. Der 35-Jährige sagte den Ermittlern, er sei kein Dschihadist. Das teilte eine mit der Untersuchung vertraute Person mit. Er habe zudem frühere Aussagen bestätigt, wonach er die Tat begangen habe nach vorausgegangenen Streitereien mit seiner Frau und seinem Chef.

Yassin S. war am Tatort festgenommen worden. Er soll versucht haben, die Fabrik in die Luft zu sprengen. Der abgetrennte Kopf seines Chefs wurde an einem Zaun hängend gefunden, neben Fahnen mit Glaubensbekenntnissen zum Islam. Bei einer Überprüfung des Handys des Verdächtigen wurde ein Foto entdeckt, das ihn vor seiner Festnahme mit dem Kopf posierend zeigt. Das Bild hatte Yassin S. an das Mobiltelefon eines Franzosen geschickt. Das Handy war zuletzt im syrischen Rakka geortet wurde, einer Hochburg der IS-Miliz.

Präsident François Hollande hatte von einem Terroranschlag gesprochen. Bereits 2006 war Yassin S. den französischen Behörden wegen seiner Kontakte zur radikalislamistischen Szene aufgefallen, stand jedoch ab 2008 nicht mehr unter Beobachtung. Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, der Festgenommene sei nicht vorbestraft. Er sei aber in der Vergangenheit vom Staatsschutz überwacht worden, weil die Gefahr einer Radikalisierung bestanden habe.

Zu dem Anschlag bei Lyon bekannte sich bisher keine Dschihadistengruppe – anders als bei den am selben Tag verübten Attentaten in Tunesien und Kuwait, zu denen sich der "Islamische Staat" (IS) bekannte.