Die Odenwaldschule steht nun doch vor dem Aus. Nach Angaben des Trägervereins ist die Finanzierung trotz jüngster Anstrengungen nicht gesichert. Die Schule habe einen Insolvenzantrag gestellt. Das aktuelle Schuljahr solle aber "klar und geordnet" zu Ende gebracht werden.

Die zuständige Insolvenzverwalterin Sylvia Rhein sagte, sie habe trotz allem noch Hoffnung für die traditionsreiche Schule. "Wir prüfen die Fortführung, nicht die Zerschlagung", sagte Rhein. Sie kritisierte, dass die Odenwaldschule in einer Mitteilung von einer Einstellung des Betriebs gesprochen habe: "Ich stehe nicht zu dieser Mitteilung. Sie ist ohne mich verfasst worden."

Die Aufsichtsbehörden äußerten sich zurückhaltender. "Die Zukunft der Odenwaldschule ist äußerst fraglich", sagte der Vize-Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne). Die Schüler sollten sich eine Alternative suchen.

Vor Kurzem hatte sich die Privatschule noch optimistisch zur eigenen Zukunft geäußert. Im Mai hieß es, die für einen Weiterbetrieb notwendige Summe von 2,5 Millionen Euro sei gesichert worden. Nun teilte der Trägerverein mit, die Löhne für Mai könnten nicht mehr bezahlt werden. 

Das Internat kämpft seit Jahren mit rückläufigen Schülerzahlen. Zuletzt erreichten sie einen neuen Tiefpunkt. Hintergrund ist der Skandal um sexuellen Missbrauch, der lange vertuscht worden war und vor fünf Jahren an die Öffentlichkeit kam. Ein Abschlussbericht nennt mindestens 132 Schüler, die missbraucht wurden.

Die Odenwaldschule ist eine der bekanntesten deutschen Reformschulen. Sie wurde 1910 von Paul Geheeb (1879-1961) gegründet und stellt das Lernen in der Gemeinschaft in den Vordergrund. Zu den ehemaligen Schülern des Internats gehören auch Prominente, wie der Schriftsteller Klaus Mann und der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit.