Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, hat wegen der Proteste gegen Asylbewerberheime in vielen Kommunen Probleme bei der Information der Bürger eingeräumt. "Die Menschen wissen oft nicht, was auf sie zukommt", sagte Schmidt in einem Interview mit dem Magazin Focus. Das Problem liege in der Kommunikation.

Die Zahl der Zugänge von Asylbewerbern sei derzeit so hoch, "dass sogar Bürgermeister oft überrascht sind, wenn Flüchtlinge in ihrer Gemeinde untergebracht werden sollen". Zu den massiven Protesten im sächsischen Freital sagte Schmidt, er glaube nicht, dass sich dort "irgendeiner weigert, jemandem aus dem syrischen Kriegsgebiet zu helfen".

Gegenüber ZEIT ONLINE stellte Schmidt aber klar: "Ich habe absolut kein Verständnis für rassistische Hetze gegen Asylsuchende, wie wir sie in Freital beobachten". Bei den "aggressiven Protesten" sei längst eine Grenze überschritten worden. Schmidt wies zur Unterstützung seiner Kritik darauf hin, dass das Bundesamt im Februar eine Kundgebung gegen den Nürnberger Pediga-Ableger organisiert habe. "Es ist völlig klar, dass wir uns für Vielfalt und gegen Rassismus engagieren."

In Freital machen seit Wochen selbsternannte Bürgerwehren und Rechtsextremisten Stimmung gegen Flüchtlinge. Auf einer Bürgerversammlung, auf der Vertreter von Stadt und Land zum Thema Asyl informieren wollten, war es am Montagabend zu erheblichen Tumulten und Anfeindungen gekommen. In Meißen hatten Unbekannte vor eineinhalb Wochen Feuer in einer geplanten Unterkunft für Flüchtlinge gelegt. Auch in Hamburg protestierten Anwohner gegen Heime.

Schmidt sagte dazu ZEIT ONLINE: "Ich sehe in der Tat Mängel in der Kommunikation." Ziel müsse es sein, die Anwohner frühzeitig zu informieren, wenn neue Flüchtlingsunterkünfte eröffnet werden. Das sei aber wegen der hohen Zahl der neu ankommenden Asylsuchenden nicht immer möglich. "Manchmal müssen so schnell Unterkünfte eingerichtet werden, dass keine Zeit bleibt, die Anwohner vorzubereiten", sagte Schmidt.

Bundespräsident Joachim Gauck hatte am Donnerstag die jüngsten Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland mit scharfen Worten kritisiert. Er sprach von "widerwärtigen Angriffen". Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) verurteilte Gewalt gegen Flüchtlinge und nannte Rassismus "eine Schande".

Ämter sollen Asylanträge schneller bearbeiten

BAMF-Präsident Schmidt will angesichts der hohen Zahl an Flüchtlingen die Bearbeitung von Asylanträgen beschleunigen. "Zurzeit benötigen wir im Durchschnitt noch fünf Monate", sagte er dem Focus. Er könne sich vorstellen, "dass idealerweise eine Entscheidung über Menschen aus sicheren Herkunftsländern innerhalb von 14 Tagen fällt". Dann wäre "eine Rückführung binnen acht Wochen möglich". Dem Bundesamt wurden dafür in diesem Jahr 1.000 neue Stellen bewilligt.

Laut einer Forsa-Umfrage für das Magazin stern, ist die Mehrheit der Deutschen über die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte beunruhigt. Demnach machen sich 67 Prozent der Bundesbürger deswegen "große" oder "sehr große" Sorgen. Die wachsende Zahl an Flüchtlingen hingegen besorgt die Mehrheit seltener.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden in diesem Jahr bis Ende Juni bereits 150 rechtsextremistische Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte gezählt. Im gesamten Jahr 2014 waren es laut Verfassungsschutzbericht 170, 2013 wurden nur 45 Vorfälle berichtet.

Freital - "Natürlich hat das etwas mit Rassismus zu tun" Im Juni 2015 protestieren im sächsischen Freital Gegner des Asylbewerberheims lautstark und teilweise gewaltsam. Befürworter demonstrieren ebenfalls. Polizisten trennen die Seiten. Doch wie soll das weitergehen?