Ein französisches Gericht hat den TÜV-Rheinland von Schadenersatzforderungen im Zusammenhang mit minderwertigen Brustimplantaten freigesprochen. Das Berufungsgericht in Aix-en-Provence kassierte ein Urteil aus dem Jahr 2013, nach dem der TÜV 3.000 Frauen wegen Verletzung der Aufsichtspflicht entschädigen musste. Die Frauen müssen nun möglicherweise elf Millionen Euro zurückzahlen, die sie auf Basis des jetzt aufgehobenen Richterspruchs bereits erhalten hatten.

Die Implantate der französischen Firma PIP hatten sich geschätzte 125.000 Frauen weltweit bis zum Verkaufsstopp 2010 einsetzen lassen. Die Kissen enthielten billiges Industriesilikon und waren zudem brüchig, sodass die Flüssigkeit austreten konnte. Das Berufungsgericht befand, der TÜV Rheinland habe dieses Problem nicht erkennen können, weil der Hersteller sich bemüht habe, die Mängel zu verbergen.

Der Eigentümer von PIP wurde in einem separaten Prozess wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, das Unternehmen ging in Konkurs. Die Schadenersatzklage hatte sich deshalb an den TÜV Rheinland und seine französische Niederlassung gerichtet. Doch diese hätten ihre Pflichten als zertifizierte Prüfunternehmen eingehalten, hieß es in dem Urteil.

Cécile Derycke, eine Anwältin des TÜV, nannte das Urteil extrem wichtig für den TÜV. Allerdings sei in dem Prozess gegen PIP bereits festgestellt worden, dass der TÜV selbst ein Opfer des Betrugs war. Der TÜV habe 3.400 Euro an jede Frau zahlen müssen und könnte dieses Geld nach dem Urteil nun zurückfordern. Eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, sagte sie weiter.

Das Urteil von 2012 hatte sich auf die Klage von 1.600 Frauen bezogen, später schlossen sich nach Angaben von Derycke weitere 1.700 Frauen an.