Nach den gewalttätigen Ausschreitungen bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber in Dresden hat es in der Nacht keine weiteren Zwischenfälle gegeben. Ab Mitternacht sei Ruhe eingekehrt, sagte ein Polizeisprecher in Dresden. Bis zum späten Abend seien etwa 470 Flüchtlinge in der Zeltstadt im Stadtteil Friedrichstadt angekommen. Zuvor war es bei einer NPD-Demonstration gegen Asylbewerber zu gewalttätigen Ausschreitungen mit Verletzten gekommen. Etwa 200 Rechtsextreme griffen 350 Gegendemonstranten mit Knallkörpern und Wurfgeschossen an. Drei Menschen wurden verletzt. Ein Mann wurde nach Angaben der Polizei festgenommen.

Die Ankunft der Flüchtlinge verlief zunächst ohne Störungen. Eine Polizeikette drängte einige Rechtsextreme ab. Die sächsische Landeshauptstadt will bis zu 800 vor allem aus Syrien kommende Menschen in der Zeltstadt aufnehmen, die vom DRK betrieben wird. Rechtsextreme Gruppen und die NPD hatten im Vorfeld zu Protesten gegen die Flüchtlinge aufgerufen.

Bereits vor der Eröffnung der Unterkunft wurden Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) von Rechtsextremen angegriffen, waren in einem Fall sogar mit einem Auto auf einen Helfer zugefahren. "Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte DRK-Chef Rüdiger Unger. Zahlreiche Menschen versuchten am Donnerstag, die Mitarbeiter bei den Vorbereitungen für die Eröffnung der Zelte zu behindern.

Allen müsse klar sein, dass man hier humanitäre Nothilfe leiste, sagte Unger weiter. Sachsens Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) zeigte sich beschämt über die Vorfälle. Auch Mitarbeiter des Innenministeriums seien attackiert worden, als sie Informationsmaterial in die Briefkästen der Nachbarn warfen: "So etwas ist einfach nicht hinnehmbar." Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks hätten aus Angst vor Steinewerfern Helme mitgebracht.  

Um die Sicherheit der Flüchtlinge zu garantieren, will das Innenministerium vorerst mehrere Züge der Polizei und der Bereitschaftspolizei in die Friedrichstadt verlegen. "Polizei wird vor Ort sein. Das ist klar. Denn wir rechnen mit Demonstranten."

Wilhelm richtete einen eindringlichen Appell an die Rechten: "Lasst die Leute in Ruhe, die haben so viel durchgemacht." Abgesehen von den Protesten gebe es enorme Hilfsbereitschaft, die zu spüren gewesen sei, sagte Wilhelm weiter. Viele hätten Spielzeug und Geld spenden oder bei der Betreuung der Asylsuchenden helfen wollen. Dies seien ermutigende Zeichen. Das Netzwerk "Dresden für Alle" etwa organisierte mehrere Dolmetscher für die Flüchtlinge und unterstützt beim Aufbau der Zelte.