Aktionen und Proteste für Flüchtlingsrechte fanden gerade in Berlin in letzter Zeit oft in einem kleinen Kreis von Aktivisten statt, so wie die Besetzung und der Protest gegen die Räumung des Oranienplatzes, über die sich die Szene zerstritt. Das Peng Collective will mit ihrer Kampagne nicht unbedingt die radikale Linke ansprechen, sagen die Mitglieder, sondern eher das Umfeld der Stuttgart-21-Protestler: Menschen im mittleren Alter, die zu zivilem Ungehorsam bereit sind, Menschen, die Autos fahren, die nicht bei Stichproben auf der Autobahn rausgepickt werden. Einer der Tipps auf der Website: Ein Deutschlandfähnchen gut sichtbar am Seitenspiegel anbringen. Außerdem: Ein Pappschild wie zum Trampen mitnehmen, auf dem der nächste größere Ort steht.

Denn wenn der Fluchthelfer glaubhaft machen kann, dass er nicht wusste, dass sein Mitfahrer illegal nach Deutschland einreist, ist die Hilfe dazu nicht strafbar, sagt Martin Paul Waßmer, Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität zu Köln.

Die Tipps auf der Website könnten strafbar sein

Allerdings gibt er zu bedenken: Die Tipps auf der Fluchthelfer-Website könnten strafbar sein: Als sogenannte Kettenbeihilfe, also als Beihilfe zur Beihilfe zur unerlaubten Einreise. Oder sogar als Anstiftung dazu.

Eine Mitfahrzentrale für Fluchthilfe ist die Seite jedoch nicht, verabreden müssen sich die Fluchthelfer mit den Flüchtlingen vor Ort, etwa, indem sie Flüchtlingslager in Italien besuchen, oder zu den Stellen in Grenznähe an der Autobahn fahren, wo sich viele sammeln, die über die Grenze wollen. 

 "Es gibt so viele Leute, die Bildungsurlaub machen. Wer das nächste Mal in der Toskana ist, kann lieber eine Kirche weniger besuchen", sagt Thalbach. Mit ihrer Kampagne wollen sie natürlich auch provozieren: Ihnen gehe es darum, dass über die Situation der Flüchtlinge in Europa gesprochen wird, sagt Thalbach. Wie viele Flüchtlinge durch die Kampagne über die Grenze gelangen werden, werden sie nicht messen können.

Die Aktivisten haben einen prominenten Befürworter: Burkhart Veigel half in den sechziger Jahren etwa 650 DDR-Bürgern bei der Flucht in die Bundesrepublik. "Ich sehe keinen Unterschied zwischen dem, was ich gemacht habe und dem, was ein syrischer Fluchthelfer macht", wird er auf der Website zitiert. "Wenn ein Mensch in Not ist, hat er ein eigenes Gesetz. Und wenn ihm kein anderer hilft, müssen wir das eben tun." Veigel erhielt 2012 das Bundesverdienstkreuz für sein "Engagement für die Freiheit". Dass es nicht unbedingt dasselbe ist, aus einem Staat nicht herausgelassen zu werden oder in einen anderen nicht hinein, ist für das Peng Collective unerheblich.

 Am Freitag, haben die Aktivisten angekündigt, wollen sie Fluchthelfern ein fiktives "Europäisches Verdienstkreuz" verleihen.

*Name geändert