Ein illegaler Böller hat die Detonation im Wagen des Kommunalpolitikers Michael Richter (Linke) ausgelöst. Das haben die Ermittlungen der Polizei ergeben. "Es handelt sich um ein pyrotechnisches Erzeugnis, das in Deutschland nicht zugelassen ist", sagte eine Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums (OAZ). Unbekannte hatten demnach in der Nacht zum Montag zunächst eine Scheibe eingeschlagen und dann den Böller in das Innere des Fahrzeugs geworfen. Weitere Details wollte das OAZ aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Das Operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei hat die Ermittlungen am Tag nach dem Anschlag übernommen. Im OAZ wird die Ermittlungsarbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund landesweit koordiniert. In dem vor Richters Haus geparkten Auto war es zu einer Explosion gekommen, die Karosserie und Scheiben beschädigte. Der Wagen wurde von der Polizei für weitere Ermittlungen sichergestellt.

In Freital machen Rechtsextreme und selbst ernannte "Bürgerwehren" in aggressiver Weise seit Monaten Stimmung gegen eine Asylbewerberunterkunft und die dort wohnenden Flüchtlinge. Seiner Partei zufolge hatte sich Richter neben seinem lokalpolitischen Engagement als Linken-Stadtrat an der Organisation von Veranstaltungen der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl beteiligt. Er sei schon früher massiv bedroht worden.

Vor dem Hintergrund einer zuletzt stark gestiegenen Zahl von Asylbewerbern ist es in Deutschland in den vergangenen Monaten wiederholt zu Brandanschlägen und anderen Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte gekommen. In etlichen Orten gingen Rechtsextremisten und ihre Sympathisanten zudem zu ausländerfeindlichen Protesten auf die Straße; in Freital kam es dabei auch zu Attacken auf Gegendemonstranten. Wiederholt wurden darüber hinaus örtliche Amtsträger von Rechtsextremen wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage bedroht.