"Einmal in der Woche gehen wir Griechen in die Taverne. Das ist Teil unserer Kultur, das lassen wir uns nicht nehmen! Ich tunke, wenn es sein muss, gerne die ganze Woche trockenes Brot in selbst gemachtes Olivenöl. Aber sonntags esse ich im Restaurant. Meine Freunde aus Deutschland verstehen das nicht. Solange wir uns diesen Luxus leisten, glauben sie, kann es um Griechenland nicht so schlecht bestellt sein.

Aber es geht uns schlecht. Auch hier auf dem Land spüren wir die Auswirkungen der Krise deutlich. Es wird immer schwieriger an Medikamente zu kommen. Der Apotheker hat nicht mehr alles vorrätig. Dabei hat das Drama erst begonnen.

Vor der Krise haben wir unser altes Haus renoviert. Mein Sohn ist mit seiner Familie dann dort eingezogen. Wir haben auf unserem Grundstück noch ein zweites kleines Haus gebaut. Mein Mann und ich wohnen unten und unsere Tochter ist oben eingezogen. Die ganze Familie wohnt hier in unserem kleinen Dorf auf Halkidiki.

Hier im Dorf helfen wir uns. Wir sind wie eine Familie. Vor Kurzem etwa hatte das Krankenhaus kein Geld mehr, um Lebensmittel für die Patienten zu kaufen. Da hat das ganze Dorf in der Kirche gesammelt: Gurken, Tomaten, Brot, Olivenöl. Und das, obwohl wir selbst alle sehen müssen, wie wir über die Runden kommen. Von unseren eigenen Olivenbäumen sind im letzten Jahr gerade einmal 200 Euro und 40 Liter übriggeblieben. 50 Cent bezahlen sie uns nur noch für ein Kilo Oliven. 

Und jetzt wollen sie auch noch an unsere Rente. Sollen sie doch erst mal bei denen anfangen, die über 2.000 Euro im Monat bekommen. Ich bekomme gerade einmal 640 Euro.

Vor ein paar Jahren war ich noch dafür, dass wir die Eurozone verlassen. Jetzt ist das nicht mehr möglich. Ich bin rechts, aber Griechenland wird ohne Hilfe nicht wieder auf die Beine kommen. 40 Jahre wurde unser Volk verkauft, verraten und alle haben an uns verdient: Unser korrupter Staat, aber auch die Konzerne aus dem Ausland. Und jetzt sind es wieder wir, die unter den Sparauflagen leiden. Tsipras ist ein guter Politiker, auch wenn ich ihn nicht gewählt habe. Aber er wird nicht verhindern können, dass die ausländischen Konzerne sich durch die Privatisierung alles unter den Nagel reisen.

Ich liebe Deutschland. Vor vierzig Jahren habe ich dort gelebt. Doch wir mussten zurück nach Griechenland, weil mein Mann das Klima nicht ertragen hat. Es waren die besten zwölf Jahre meines Lebens. Meine beiden Kinder wurden in Schwäbisch Hall geboren, wir haben geheiratet und ich hatte Freunde, wie ich sie nie wieder gefunden habe. Noch immer besuchen wir uns alle paar Jahre, wenn es die Gesundheit zulässt. 

Wenn wir uns sehen, reden wir nie über Politik. Wir wollen uns nicht streiten. Aber ich muss schon sagen: Die deutsche Regierung ekelt mich an. Irgendetwas hat Schäuble gegen uns Griechen. Ich glaube, er will uns vernichten. Er sagte, dass er uns persönlich Medikamente bringen wird, wenn sie ausgehen. Aber ich will seine Almosen nicht. Lieber nehme ich mein Kreuz auf mich und sterbe. Wenn Griechenland zur Hölle fährt, dann wird auch die EU zur Hölle fahren."