Deutschland tut sich noch immer schwer mit der Integration. Vor allem in den Bereichen Bildung und Arbeit liegt Deutschland unter dem OECD-Schnitt. So liest sich der neue OECD-Bericht Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2015. Die Studie hat Daten der OECD-Länder zu Bildung, Gesundheit, Wohnverhältnissen, Arbeitsbedingungen von Migranten und deren Kindern miteinander verglichen. In Deutschland haben Einwandererkinder schlechtere Jobs als junge Leute unter 35 mit deutschen Eltern und sie sind deutlich häufiger arbeitslos.

Kein Wunder, denn sie haben meist auch schlechtere Voraussetzungen dafür. Sie schaffen viel seltener einen Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief. Aber selbst wenn, arbeiten sie häufiger in Jobs, für die sie überqualifiziert sind als die Deutschen mit deutschen Eltern. Viel zu wenige sind im öffentlichen Dienst angestellt.

Diese Analyse ist allerdings nicht neu. Deutschland hat zu lange gar nicht versucht, seine Einwanderer zu integrieren, weil sie als sogenannte Gastarbeiter schließlich wieder weggehen sollten. Deren Kinder und Enkel tragen die Last. Schnell lässt sich die langjährige mangelnde Förderung nicht abbauen. In den Pisa-Studien schneiden die deutschen Einwandererkinder aber allmählich immer besser ab. Auch Polizisten und Lehrer mit Migrationshintergrund sind nun offiziell erwünscht. Denn nicht nur die OECD, auch deutsche Politiker haben erkannt, dass Diversität im öffentlichen Dienst ein Integrationsmotor sein kann. Aber Integration ist hier ein langwieriger Prozess, weil so viel nachgeholt werden muss.   

Acht Kategorien von Einwandererländern

Viel wichtiger für die Integrationsdebatte ist allerdings, wie der OECD-Bericht versucht, Einwandererländer zu kategorisieren. Immerhin auf acht verschiedene Gruppen kommt er dabei. Schon die Zahl zeigt, wie wenig vergleichbar die Länder in Wirklichkeit sind. Am einen Ende stehen Siedlerländer wie Australien und Kanada, deren heutige Existenz auf Einwanderung beruht, am anderen Ende Länder, die kaum Migranten kennen, wie Korea oder Mexiko. 

Aber auch die EU-Länder haben extrem unterschiedliche Traditionen und Erfahrungen mit Einwanderern. Deutschland befindet sich nach OECD-Einordnung nur noch in einer Kleinstgruppe von fünf Ländern, die einigermaßen ähnliche Bedingungen haben: Sie nehmen schon länger Einwanderer auf, aber eher ungebildete. Dazu gehören die Niederlande, Frankreich, Belgien und Österreich.

Länder wie zum Beispiel Irland haben erst seit Kurzem und vor allem gebildete Einwanderer ins Land gelassen. Großbritannien dagegen hat eine lange Tradition mit ungebildeten und gebildeten Einwanderern, es nimmt außerdem viele Menschen auf, die schon Englisch sprechen – eine Integrationshürde fällt weg.

Vergleicht man wiederum Deutschland mit der kleinen Gruppe der südeuropäischen krisengeschüttelten Länder, ist es nicht verwunderlich, dass die Migranten dort viel häufiger unter Armut leiden als die deutschen. Italien, Spanien und Griechenland beispielsweise haben wie Deutschland vor allem unqualifizierte Arbeiter ins Land geholt, nur viel später. Zudem landen die meisten Flüchtlinge als erstes hier. Nicht verwunderlich, dass es diesen Migranten seit der Wirtschaftskrise besonders schlecht geht, da auch die jungen Spanier und Griechen selbst arbeitslos sind. Sie hatten noch gar keine Chance, sich zu integrieren.

Macht es wie Schweden

Gut gemeinte generische Ratschläge wie: "Macht es doch wie Kanada oder Luxemburg und sucht euch die Migranten aus, die ihr haben wollt" sind also wenig hilfreich, weil sich die historischen Voraussetzungen in Deutschland nicht mehr umkehren lassen. Außerdem geht es längst nicht nur um die Frage, wie gut qualifizierten Einwanderern der Start in Deutschland erleichtert werden kann: Die aktuell steigenden Flüchtlingszahlen erlauben es den europäischen Ländern auch in absehbarer Zukunft nicht, nur die gut ausgebildeten Menschen ins Land zu lassen. Von den Flüchtlingen werden viele bleiben, und auch sie müssen integriert werden.

Mit dem neuen Bleiberecht erkennt Deutschland immerhin etwas besser an, dass nicht nur die Menschen hier bleiben werden, denen Asyl gewährt wird, sondern auch viele von denen, deren Abschiebung nur ausgesetzt wird, also Geduldete – und dass es sich lohnt, ihnen eine Perspektive zu bieten. "Macht es doch wie Schweden" wäre also ein besserer Aufruf. Im OECD-Vergleich können die skandinavischen Länder zwar auch nicht glänzen. Denn sie nahmen in den letzten zehn Jahren vergleichsweise viele Menschen aus humanitären Gründen auf und können deshalb auch nicht nur die gebildeten auswählen. Es dauert, bis sie integriert sind. Aber sie werden dort sofort gefördert, haben fast dieselben Möglichkeiten, an Schulen und an Universitäten zu lernen wie die Einheimischen selbst und sind gut in öffentlichen Jobs repräsentiert.

Man könnte den Bericht also auch so lesen: Deutschland hat schon einen zweiten Anlauf genommen als Einwanderungsland, die neue Generation kommt besser an. Das ginge noch konsequenter. Mit mehr Engagement für frühkindliche Bildung zum Beispiel und engagierten Sprach-  und Bildungsprogrammen für Flüchtlinge und Geduldete.