Was beschäftigt Sie gerade? Warum tun Sie das, was Sie tun? Was ist der Sinn des Lebens? Das fragen wir regelmäßig einen von 80 Millionen Menschen in Deutschland. Hier antwortet Marten Münzberg, 32.

"Am liebsten würde ich den ganzen Tag rappen und Videos drehen. Dinge, die nur mich selbst weiterbringen, nicht die Welt. Ich denke viel über Worte nach. Wenn ich Nachrichten schaue, gehen meine Gedanken oft in eine andere Richtung. Ich höre "Knesset" oder "Pjöngjang" und denke: Was für ein geiles Wort. Trotzdem war mir wichtig, dass ich auch was Sinnvolles mache in meinem Leben. Als ich mich entschieden hatte, Lehrer zu werden, dachte ich: Cool, jetzt kann ich in meiner Freizeit Quatsch machen.

Ich will kein Star werden, aber ich glaube es gibt noch eine Menge Leute da draußen, die meine Musik gut finden würden. Wer ein Album rausbringt, der macht das nicht nur für sich. Das ist eine Riesenarbeit – und natürlich sollen andere das mitkriegen. Ich hoffe immer, dass diesen kleinen Gedanken, den ich in einem Lied ausdrücke, dass den ein anderer genau so auch hat. Jemand, der ganz woanders ist, und diesen Flash fühlt. Und bei jeder neuen Platte hoffe ich, dass sie ein bisschen größere Wellen schlägt. Aber ich will weiter Lehrer sein. Sonst müsste ich ja anfangen, irgendwelche erzieherischen Lieder zu machen, um die Leute zu etwas Gutem zu bewegen.  

"Ich werde ein guter Vater sein"

Meine Schüler lernen mich als Lehrer kennen, nicht als Rapper. Meine eigenen Videos im Unterricht zu zeigen, fände ich eitel. Bisher hat jede Klasse mindestens drei Monate gebraucht, um das mitzubekommen. Als ich Referendar war, hat meine sechste Klasse es von den älteren Schülern erfahren. Die waren elf oder zwölf und hatten das Video zu meinem Lied Ich blute mit ihren Eltern geguckt. Dann haben sie mich gefragt: "Herr Münzberg, was wollten Sie damit sagen?" Ein Schüler hat erzählt, seine Mutter habe gesagt, ich würde damit meinen, dass man für alles im Leben bezahlen muss. Das war so merkwürdig, weil es ja einfach alberner Quatsch ist, den ich da mache, ich rappe oben ohne, mit Ketchup auf dem Körper.

Für die Schüler kommt eine Facette von mir hinzu, wenn sie entdecken, dass ich rappe. Aber ich mache ihnen keine Hoffnungen, dass sich an meinem Unterricht dadurch etwas ändert. Ich sagen ihnen: Ich bin immer noch der uncoole Herr Münzberg. 

Wenn ich schlecht drauf bin, dann höre ich oft richtig harte Untergrundmusik. Die bringt Wut einfach sehr gut auf den Punkt. Nach einer halben Stunde bin ich dann auch wieder ein erträglicher Mensch. Sehr aggressive Musik ist umstritten, aber man sollte auch bedenken, dass sie manchen Menschen hilft, mit ihren Aggressionen umzugehen. Wut, die man beim Musikhören ausgelebt hat, muss man nicht mehr an seinen Mitmenschen auslassen. 

Im November bekommen wir ein Kind. Für anderes bleibt dann nicht mehr viel Zeit, auch nicht für meine Musik. Aber ich werde ein guter Vater sein. Weil ich da bin, weil ich auch da bleibe. Weil ich das Kind lieben werde. Ich glaube, viel mehr braucht es eigentlich nicht."