Die nordbayrische Gemeinde Mainstockheim schließt wegen Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern und Anwohnern vorübergehend ihre Flüchtlingsunterkunft. Die Umverteilung der insgesamt 23 Flüchtlinge laufe, bestätigte das Polizeipräsidium Unterfranken ZEIT ONLINE. Es handele sich um Menschen aus dem Balkan. Für vier von ihnen seien die Umverteilungsbescheide bereits eingetroffen, vier weitere Flüchtlinge sollen noch im Laufe des Abends in andere Unterkünfte gebracht werden.

"Es bedeutet nicht, dass die Einrichtung stillgelegt wird", sagte ein Sprecher der Regierung von Unterfranken. Mit der vorübergehenden Räumung wolle man zur Entspannung der Situation in Mainstockheim beitragen.

Die vorläufige Schließung des Flüchtlingsheims sei notwendig geworden, weil die Streitigkeiten zwischen Asylbewerbern und einer Gruppe junger Männer aus dem Landkreis Kitzingen seit vergangenem Mittwoch eskaliert seien, sagte Sabrina Fröhlich vom Landratsamt Kitzingen ZEIT ONLINE. Über die genauen Umstände könne sich die Polizei nicht äußern, da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

Seit Mai 2015 soll eine vierköpfige Gruppe aus der Flüchtlingsunterkunft mehrfach polizeilich auffällig geworden sein, es soll auch Körperverletzungen gegeben haben. Immer wieder sei es zu Streit mit Anwohnern gekommen. 

Nachdem einige der Männer im Freibad und in der Innenstadt junge Frauen belästigt hätten, sei die Situation nach Angaben des Bürgermeisters Karl-Dieter Fuchs eskaliert. Einen rechtsradikalen Hintergrund schloss er aus.

Am Donnerstagabend sei eine Gruppe Einheimischer mit Baseballschlägern und Fahrradketten an der Unterkunft aufgekreuzt und die Bewohner hätten sich daraufhin mit Stuhlbeinen bewaffnet, sagte Fuchs. Am vergangenen Freitag wurden dann die vier Flüchtlinge, die besonders auffällig geworden sind, in andere Unterkünfte verlegt. 

Trotzdem kam es am Sonntag zu weiteren Auseinandersetzungen, als sich verärgerte Anwohner von Mainstockheim erneut vor der Unterkunft versammelten. Laut Polizei trugen Beteiligte ein Messer und Schlagwerkzeuge bei sich. Die Polizei nahm acht Personen fest. Unter ihnen auch jene vier Flüchtlinge, die bereits auf andere Unterkünfte verteilt worden waren.

Bei der Durchsuchung der Unterkunft wurden sieben Personen aufgegriffen, die offiziell keine Erlaubnis für einen Aufenthalt in dem Gebäude haben. Zudem stellte die Polizei erhebliche Schäden an der Einrichtung fest. Sie entschied sich deshalb, gemeinsam mit dem Landratsamt Kitzingen und der Regierung von Unterfranken, für eine Umsiedlung der Asylbewerber.

Flüchtlinge sind im Ort eigentlich gut integriert

"Es ist wirklich bedauernswert, denn einige der Flüchtlinge sind schon sehr gut integriert in unserer Gemeinde, helfen bei gemeinnütziger Arbeit und sprechen inzwischen gutes Deutsch", sagt Sabrina Fröhlich vom Landratsamt Kitzingen. "Nur weil die Bevölkerung schreit, schließen wir das Flüchtlingsheim nicht, aber die derzeitige Situation musste vorerst entschärft werden." Es gebe ohnehin keine wirkliche Alternative, denn auch Unterfranken müsse seinen Anteil zur Aufnahme von Flüchtlingen leisten.

In den Konflikt zwischen Anwohnern und Flüchtlingen sind wohl auch weitere Gruppen verstrickt. Am Ortseingang von Mainstockheim wurden während der Ausschreitungen am Sonntag zehn Männer aus dem rechten Spektrum mit Platzverweisen belegt. Eine präventive Maßnahme, wie das Polizeipräsidium in Würzburg mitteilte.