München wird auch in Zukunft keine sogenannten Stolpersteine zur Erinnerung an von Nationalsozialisten ermordete Menschen verlegen. Der Stadtrat stimmte gegen die Zulassung der mit kleinen Messingplatten bedeckten quadratischen Betonsteine auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Stattdessen sollen Stelen und Gedenktafeln an Hauswänden sowie ein zentrales Namensdenkmal auf die Schicksale der Ermordeten aufmerksam machen.

In München, von wo aus der Nationalsozialismus sich in Deutschland ausbreitete, ist die Verlegung der populären Mahnmale seit 20 Jahren umstritten. Von manchen Nachkommen der Opfer werden die Stolpersteine als unwürdige Form des Gedenkens empfunden, da die Opfer ihrer Ansicht nach mit Füßen getreten und erniedrigt werden. Charlotte Knobloch etwa, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, spricht sich seit Jahren gegen die Steine aus – weil sie nicht fassen kann, "dass dort die Namen von Holocaustopfern zu Füßen der Menschen angebracht werden".

Die Befürworter der Steine hingegen verweisen auf den Aufmerksamkeitseffekt, den die Steine erzielen. Auch könne jedes Mahnmal, ob senkrecht oder waagerecht errichtet, geschändet werden, schrieb der frühere stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, zum Münchener Stolperstein-Streit in der ZEIT. Aus der Tatsache, dass es für die Schändung aufrecht stehender Mahnmale keine so eingängige Sprachmetapher wie "mit Füßen treten" gäbe, erwachse kein bewertbarer Unterschied der Schwere des Schändungsaktes.

Von den Steinen, die vor den ehemaligen Wohnhäusern der Ermordeten in den Gehweg eingelassen werden, wurden inzwischen 50.000 in 1.200 Städten in 18 Ländern verlegt.      

Warum die Stolpersteine in München Gegner und Befürworter haben, zeigt das Video von Anfang dieses Jahres.