Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe bekommt einen vierten Pflichtverteidiger. Das Oberlandesgericht München habe ihn mit Beschluss vom Montag zum weiteren Verteidiger bestellt, teilte der Münchner Rechtsanwalt Mathias Grasel mit. Zschäpe habe ihn selbst darum gebeten, für sie tätig zu werden. Aufgrund des fortgeschrittenen Prozessverlaufs und des Aktenaufkommens werde er sich "von einem renommierten Strafverteidiger" unterstützen lassen. Einen Namen nannte Grasel nicht.

Hintergrund der Berufung ist ein Zerwürfnis zwischen Zschäpe und ihren Anwälten Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Erst im Juni hatte Zschäpe versucht, Sturm durch den Senat entpflichten zu lassen. Dabei soll Grasel bereits geholfen haben. Ihre Pflichtverteidiger wiesen die im Antrag vorgetragenen Vorwürfe der Angeklagten zurück und erklärten, ihre Arbeit fortsetzen zu wollen. Am Ende kam das Gericht dem Antrag nicht nach.

Bereits vor einem Jahr hatte Zschäpe versucht, ihre Verteidigung auszutauschen. Auch diesen Antrag hatte der Senat zurückgewiesen.

Die Berufung eines vierten vom Staat bezahlten Pflichtverteidigers gilt als ungewöhnlich. Allerdings ist in der Strafprozessordnung nur die Anzahl der Wahlverteidiger – also der von einem Angeklagten selbst bezahlten Rechtsanwälte – auf höchstens drei begrenzt. Beim OLG München hieß es bereits im Vorfeld der Entscheidung, dass die Kosten bei einer Entscheidung für einen vierten Pflichtverteidiger nicht den Ausschlag geben würden.

Für den Prozess wirft Grasels Berufung einige Fragen auf. Zu diesen gehört allen voran, wie sich der Anwalt nach mehr als 200 Verhandlungstagen in die Verteidigung integrieren wird. Ob er Zschäpe empfehlen wird, im Prozess auszusagen, ließ Grasel zunächst offen. Auch stellt sich die Frage, wie Sturm, Heer und Stahl auf das neuerliche Misstrauensvotum ihrer Mandantin reagieren werden. Mit Blick auf die anderen Pflichtverteidiger sagte Grasel, er wolle Teil des Teams sein. "Ich sehe das nicht als eine Drei-plus-eins-Konstellation."