Nach dem Urteil im Lüneburger Auschwitz-Prozess gegen Oskar Gröning hat ein Nebenkläger-Anwalt Revision eingelegt. Der Berliner Rechtsanwalt Andreas Schulz bestätigte, dass er per Brief Rechtsmittel geltend gemacht habe. Damit muss das Urteil nun vom Bundesgerichtshof geprüft werden.

Schulz will erreichen, dass der frühere SS-Mann wegen Mordes und nicht nur wegen Beihilfe verurteilt wird. "Nach unserer Rechtsauffassung hätte eine Verurteilung wegen Mords und nicht nur wegen Beihilfe erfolgen müssen", sagte er Spiegel Online. Aus Sicht von Nebenklägern habe das Gericht die Taten nicht korrekt bewertet.

An den Erfolgsaussichteneine Revision gibt es allerdings Zweifel "Eine Revision mit dem Ziel, Gröning als Mörder zu verurteilen, ist nach deutschem Recht komplett unrealistisch", sagte Nebenklägeranwalt Thomas Walther. Er vertritt mit einem Kollegen mehr als 50 Überlebende und Angehörige von Opfern in dem Verfahren.

Das Gericht hatte den 94-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Er hatte unter anderem eingeräumt, Geld aus dem Gepäck der Verschleppten eingesammelt und nach Berlin weitergeleitet zu haben. 

Ob der gesundheitlich angeschlagene Gröning haftfähig ist und tatsächlich hinter Gitter kommt, muss noch die Staatsanwaltschaft prüfen, sobald das Urteil rechtskräftig ist.