Das britische Königshaus erwägt rechtliche Schritte gegen die Boulevardzeitung Sun. Die hatte einen Film veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie die Queen als Kind den Hitlergruß zeigt. Die Sunday Times zitierte einen Palastmitarbeiter, der sagte, es werde geprüft, wer gefilmt habe. Sollte der spätere König George VI. die Kamera gehalten haben, lägen die Urheberrechte bei Elizabeth II.

Der 17 Sekunden lange Schwarz-Weiß Film soll 1933 oder 1934 aufgenommen worden sein. Darin ist die Queen zu sehen, wie sie mit ihrer Schwester Margaret, ihrer Mutter Elizabeth und ihrem Onkel, dem späteren König Edward VIII. spielt. Sie stehen im Garten von Schloss Balmoral in Schottland. Zu Beginn spielt die Lilibet genannte Prinzessin mit einem Hund und winkt. Dann dreht sie sich zu ihrer Mutter um, die mit gestrecktem rechten Arm den Hitlergruß zeigt, und imitiert die Geste. Die Mutter streckt ein zweites Mal den Arm, Edward zeigt den Gruß ebenfalls. Die kleine Margaret, damals etwa drei Jahre alt, winkt und streckt dann ebenfalls den Arm, allerdings den linken. Am Ende sind Elizabeth und Margaret in Großaufnahme zu sehen. Einen Ton gibt es nicht.

In Großbritannien hat der Film eine Diskussion darüber ausgelöst, wie das Königshaus mit seiner Vergangenheit umgeht. "Die königliche Familie kann ihre eigene Geschichte nicht ewig leugnen", sagte Karina Urbach, die am Institut für Geschichtsforschung der University of London arbeitet. "Das ist Zensur. Zensur ist kein demokratischer Wert. Sie müssen sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Ich komme aus einem Land, Deutschland, in dem wir uns alle mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen müssen."

Viele Briten kritisierten die Zeitung dafür, den Film veröffentlicht zu haben. Barbara Keeley, die für die Labour-Partei im britischen Parlament sitzt, retweete die Nachricht: "Hey Sun, wenn du eine moralische Entrüstung Verfehlungen in der Vergangenheit schüren willst, solltest du näher bei dir suchen."

Der leitende Redakteur der Sun, Stig Abell, verteidigte die Entscheidung, den Film zu veröffentlichen. Wie nahe die britische Aristokratie – insbesondere Edward VIII. – dem Faschismus in den 1930er Jahren stand, sei ein wichtiges und interessantes Thema. Der Film sei ein historisches Dokument, dass das Verhalten von Edward VIII. in neuem Licht zeige, sagte er BBC Radio 4.

Im Archiv des Königshauses würden sich viele Dokumente befinden, die belegen würden, wie die Königsfamilie und Nazis miteinander korrespondierten. Doch dieses müsste im Gegensatz zum britischen Staatsarchiv nicht in regelmäßigen Abständen Material veröffentlichen, berichtet der Guardian.

Die Historikerin Alex von Tunzelmann twitterte, der fehlende Zugang zu den Archiven des Königshauses sei undemokratisch. Sie seien überbehütet. Das Maß, in dem die Aristokraten in Großbritannien von demokratischen Regeln ausgenommen seien, sei überwältigend.