Die tunesischen Behörden haben im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Terroranschlag von Sousse acht Verdächtige festgenommen. Die sieben Männer und eine Frau stünden in direkter Verbindung zu dem Angriff, sagte der Minister für die Beziehungen zu den Verfassungsinstitutionen und der Zivilgesellschaft, Kamel Jendoubi. Das gesamte Netzwerk hinter dem Attentat sei enttarnt worden. Jendoubi machte keine Angaben, ob damit alle Verdächtigen gefasst seien oder noch nach weiteren gefahndet wird. Der Minister hatte nach den Anschlägen den Vorsitz über den Krisenstab übernommen.

Nach den Angaben Jendoubis sind an den Ermittlungen auch britische Sicherheitsexperten beteiligt. Unter den 38 in Sousse getöteten Touristen waren 30 Briten, bestätigte der britische Außenminister Philip Hammond. Am Freitag, genau eine Woche nach den Anschlägen, soll nach Angaben Hammonds um zwölf Uhr mittags in Großbritannien und allen britischen diplomatischen Vertretungen weltweit in einer Schweigeminute der Opfer gedacht werden.

Zur Sicherung der touristischen Gebiete seien mehr als 1.300 bewaffnete Sicherheitskräfte entsandt worden, sagte Jendoubi. Sie sollten die bereits vor Ort befindlichen Polizeikräfte unterstützen. In der vergangenen Woche hatte Präsident Béji Caid Essebsi eingeräumt, dass die Sicherheitskräfte trotz islamistischer Drohungen gegen Touristen keine Schutzmaßnahmen getroffen hätten.

Nach den Erkenntnissen der tunesischen Ermittler wurde auch der 23-jährige Attentäter von Sousse in einem Terrorlager in Libyen ausgebildet. Dort traf er möglicherweise auch auf die beiden Extremisten, die im März bei einem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis 22 Menschen töteten, die meisten von ihnen ausländische Touristen. Die Attentate treffen auch die tunesische Wirtschaft, die stark vom Tourismus abhängt.

Seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Ben Ali 2011 ist die islamistische Gewalt in Tunesien auf dem Vormarsch. Mehr als 3.000 Tunesier sollen sich bereits islamistischen Milizen im Irak, in Syrien und im Nachbarland Libyen angeschlossen haben.