Der mutmaßliche Attentäter von Charleston wird sich auch vor einem US-Bundesgericht verantworten müssen. Wie Justizministerin Loretta Lynch heute bekannt gab, hat die Bundesjustiz Anklage wegen eines rassistischen Hassverbrechens erhoben. Dem 21-jährigen Dylann R. wird vorgeworfen, die afroamerikanischen Gläubigen in der Kirche von Charleston gezielt wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit und auch gezielt während der Ausübung ihres Glaubens attackiert zu haben. Im US-Bundesstaat South Carolina ist er bereits wegen neunfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes angeklagt. In beiden Verfahren könnte ihm die Todesstrafe drohen. Die Anklage hat aber bisher noch nicht bekannt gegeben, ob sie diese auch fordern will.

In den Vereinigten Staaten werden sogenannte Hassverbrechen, die rassistisch, religiös oder homophob motiviert sind, auf Bundesebene verhandelt. Solche Verfahren scheitern in vielen Fällen, wenn Verteidiger dagegenhalten können, dass ihre Mandaten durch die Einnahme von Drogen oder eine Geisteskrankheit beeinträchtigt waren. Im Fall von R. gehen die Ermittler aber klar von einem rassistischen Hintergrund aus. Der weiße Angeklagte hatte vor der Attacke auf die Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston unter anderem mit der Flagge der Konföderierten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg posiert. Außerdem soll er nach Angaben von Überlebenden während der Tat rassistische Äußerungen von sich gegeben haben.

Justizministerin Lynch zufolge wird sich Dylann R. in 33 Anklagepunkten verantworten müssen. Im Fall eines Schuldspruches drohen ihm lebenslange Haft oder die Todesstrafe. Der Prozess in South Carolina soll am 11. Juli 2016 beginnen. Das Bundesverfahren wird vermutlich noch vorher stattfinden.

Nach dem Attentat hatte South Carolina beschlossen, die Südstaatenflagge abzuhängen.