Drei Tage nach den schweren Explosionen in einem Chemikalienlager in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ist die Gefahr für Menschen weiter groß. An der Unglücksstelle waren am heutigen Samstag mehrere schwächere Detonationen zu hören, kleinere Feuer brachen aus. Zudem bestätigten die Behörden, dass Natriumzyanid ausgetreten ist.

Wie viel von dem Salz der Blausäure gefunden oder freigesetzt wurde, sagte die Polizei nicht. Auch zum Risiko für die Bevölkerung äußerte sie sich nicht. Beijing News berichtete, dass 700 Tonnen der hochgiftigen Substanz auf dem Hafengelände gelagert gewesen seien. Erste Spuren seien im Abwasser gefunden worden.

Kommt das Blausäuresalz in Kontakt mit Wasser oder Regen, entwickeln sich brennbare Gase. Natriumzyanid gilt als sehr giftig und kann auch tödlich wirken.

Anwohner zeigten sich besorgt, dass Luft und Wasser belastet sein könnten. "Ich habe schon ein wenig Angst", sagte ein Bauarbeiter. "Unser Chef hat uns gesagt, dass wir Masken tragen sollen." Bei aller Besorgnis war in den Straßen von Tianjin aber keine Panik zu spüren.

Polizisten haben unterdessen das Gebiet drei Kilometer um den Hafen von Tianji evakuiert. Der Grund dafür seien die giftigen Gase, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua: Das Feuer im Hafen der Stadt sei noch immer nicht gelöscht. Anwohner in Tianjin mussten unter anderem eine Schule räumen, in der sie Unterschlupf gefunden hatten, weil der Wind das Gift in ihre Richtung treiben könne, teilte die Nationale Gesundheits- und Familienplanungskommission mit. Die Menschen wurden aufgefordert, lange Hosen und Gesichtsmasken zu tragen. Insgesamt mussten 6.300 Menschen ihre Häuser verlassen.

Peking zensiert Berichte über Katastrophe

Während die staatlichen Medien ausführlich über den Einsatz der Feuerwehr berichteten, ist die chinesische Zensur laut einem Medienbericht bemüht, die Berichterstattung über den Unfall zu lenken und eine kritische Diskussion und Fragen im Internet zu unterbinden. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, habe die Zensur zahlreiche Einträge von Bloggern gelöscht, nachdem dort die Informationspolitik und die Reaktion der Behörden kritisiert worden waren. Staatliche Medien erhielten von der Zensurbehörde offenbar die Vorgabe, keine eigenen Mutmaßungen über das Unglück anzustellen.

Eine Pressekonferenz der Stadt wurde von Menschen unterbrochen, die ihre Angehörigen vermissen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete, dass Journalisten in einem Konferenzraum eingeschlossen worden seien, als mehrere Verwandte von Feuerwehrleuten versuchten, diesen zu stürmen.