Trotz der Einschüchterungsversuche veranstalten die Lohmeyers ab 2006 jedes Jahr das Musikfestival "Jamel rockt den Förster". Gäste aus ganz Deutschland kommen dafür auf ihren Hof. Das Motto: Für Demokratie und Toleranz.  

Die bekennenden Neonazis Tino S. und Sven K. besuchten das Festival 2009 spät in der Nacht. Birgit Lohmeyer erinnert sich: "Wir haben uns gefühlt wie in einem Verhör. Die beiden haben uns über unsere Vergangenheit ausgefragt." Bis heute das letzte Gespräch zwischen den ungleichen Nachbarn.

Und nun der Brandschlag. "Wir dachten eigentlich, dass wir uns durch unsere Arbeit mit der Presse einen gewissen Schutz erarbeitet hatten." Dabei sind auch solche Gewaltakte nichts Neues in Jamel. Mindestens zwei Mal wurden seit der Wende in dem Dorf Häuser angezündet, offensichtlich, um Andersdenkende zu vertreiben. 

Horst Lohmeyer vor den verbrannten Überresten seiner Scheune. © Paul Middelhoff

In Jamel hat der Brand außer den Lohmeyers offenbar auch niemanden erschrocken. In der Tatnacht waren binnen Minuten Tanklastzüge in der Auffahrt der Lohmeyers eingetroffen, Blaulicht und Martinshorn machten die Nacht zum Tag. Doch alle Fenster, sagt Horst Lohmeyer, seien dunkel geblieben. Auch am Tag nach dem Brand kam niemand, um sich bei den Lohmeyers zu erkundigen. Jamel hält zusammen gegen die Lohmeyers.   

Schon am Morgen nach dem Brand kursierten in rechten Internet-Foren Gerüchte, die Lohmeyers hätte ihre Scheune selbst angezündet. Der Vorwurf: Versicherungsbetrug. Horst Lohmeyer lacht darüber. "Als hätten wir das Ding hier versichert."

In der Scheune hatten die Lohmeyers unter anderem Bänke und Tische für ihr Festival gelagert. © Paul Middelhoff

Dafür gibt es Trost und Zuspruch aus ganz Deutschland. "Wir haben seit heute morgen Hunderte E-Mails bekommen. Die Leute sagen, wir sollen uns nicht unterkriegen lassen", sagt Birgit Lohmeyer. "Es würde sich auch falsch anfühlen, jetzt zu gehen." Auch das Festival soll stattfinden, obwohl Bierbänke und Pavillons für das "Rock den Förster"-Festival in Flammen aufgegangen sind.

Und dann sind die Lohmeyers wieder allein mit ihren Nachbarn. Am Ende der Straße sitzen vier Jamelner auf ihrer Veranda und vespern. Zwei Männer, glatzköpfig, und zwei Frauen, blondiert. Einige Meter entfernt steht etwas, das wie eine Reichskriegsflagge aussieht. Die vier winken zum Abschied, stumm und lächelnd.  

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es im Text "...Kinder heben den Arm zum Hitlergruß..." ohne Nennung der Quelle. Die Familie Lohmeyer hat unseren Reportern davon erzählt. Das haben wir nun in der Reportage kenntlich gemacht.

Politisch motivierte Gewalt ereignet sich in ganz Deutschland. Wo noch im ersten Halbjahr 2015 erfahren Sie in diesem Video.