In Österreich sind in einem Schleuser-Lastwagen die Leichen von mehreren Flüchtlingen entdeckt worden. Ob es sich um "20, 40 oder 50 Tote" handle, sei noch Gegenstand von Ermittlungen, sagte Hans Peter Doskozil, Landespolizeidirektor im Burgenland. Das Fahrzeug mit ungarischem Kennzeichen war auf der Autobahn A4 südöstlich von Wien auf dem Pannenstreifen abgestellt gewesen.

Über die Herkunft der Menschen könne noch keine konkrete Auskunft gegeben werden, sagte Doskozil. Höchstwahrscheinlich handle es sich aber um Flüchtlinge. Da der Verwesungsprozess bereits eingesetzt habe, könne zur Todesursache noch keine genaue Angabe gemacht werden. Der Kühllaster sei wahrscheinlich bereits am Mittwoch abgestellt worden. Nach Informationen österreichischer Medien sind die Menschen wahrscheinlich erstickt.

Das Fahrzeug war gegen 11.30 Uhr von einem Mitarbeiter der Autobahninspektion entdeckt worden. Bei Mäharbeiten war ihm aufgefallen, das aus dem 7,5-Tonner Flüssigkeit tropfte.

Ein Krisenstab wurde eingerichtet, das österreichische Bundeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Nach dem Fahrer wird gefahndet, auch im angrenzenden Ungarn und der Slowakei. Vor Ort werden Beweismittel gesichert. "Die Tatortarbeit wird heute sicher noch nicht abgeschlossen. Das dauert die nächsten Tage an", sagte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels im Bundeskriminalamt, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die ungarischen Behörden erklärten, dass sie sich an den Ermittlungen beteiligen wollten. Das Burgenland liegt an der Grenze nach Ungarn.

Der grausige Fund ereignete sich am Tag der Westbalkan-Konferenz in Wien, die sich mit der anhaltenden Flüchtlingskrise beschäftigt. Die sogenannte Westbalkan-Route wird von zahlreichen Flüchtlingen genutzt, die in der EU auf ein sicheres Leben hoffen.

Der österreichische Kanzler Werner Faymann sagte am Rande der Konferenz in Wien, der Vorfall zeige einmal mehr, wie notwendig es sei, das Schlepperwesen zu bekämpfen, um Menschenleben zu retten. "Wir müssen Verantwortung übernehmen und Menschen auf der Flucht Asyl geben." Das Asylrecht dürfe es nicht nur auf dem Papier geben, es müsse Leben retten, sagte er.

"Diese Leute gehören hinter Gitter"

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sprach auf einer Pressekonferenz von "einem dunklen Tag". Gegen die Schlepper müsse "mit aller Härte und null Toleranz" vorgegangen werden. "Diese Leute gehören hinter Gitter", sagte sie. "Ich bin erschüttert, tief betroffen und zornig", sagte Justizminister Wolfgang Brandstetter. "Es war zu befürchten, dass es einmal Todesopfer bei den Schleppertransporten gibt, denn die organisierte Schlepperei ist eine skrupellose und mörderische Form schwerster Kriminalität, der man europaweit konsequent entgegenwirken muss."  

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt. "Wir sind alle erschüttert von der entsetzlichen Nachricht", sagte sie am Rande der Westbalkan-Konferenz. "Das waren Menschen, die auf dem Weg waren, um mehr Sicherheit und Schutz zu suchen und dabei einen so tragischen Tod erleiden mussten." Die Tragödie sei eine Mahnung an Europa, die Migrationsprobleme schnell zu lösen.    

Nach einem Besuch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge äußerte sich auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu dem Unglück. "Dass dort viele Menschen ersticken, weil verbrecherische Schlepper an diesen Menschen und an den unwürdigen Transportbedingungen Geld verdienen, macht mich wütend und fassungslos", sagte er. Zugleich sprach er sich für die schnelle Einrichtung von Aufnahmezentren in Griechenland und Italien aus. Damit könne verhindert werden, dass die Flüchtlinge weiter auf Schlepper angewiesen seien.

Erst am Vormittag hatte die österreichische Polizei insgesamt drei Schlepper gefasst. Einer von ihnen hatte 34 Flüchtlinge ins Land gebracht und sie auf der Autobahn ausgesetzt. Die Menschen berichteten von beengten Verhältnissen auf der Reise. Der Fahrer sei trotz mehrfacher Bitten ohne Pause von der serbischen Grenze nach Österreich durchgefahren.