Unter den 71 Toten aus dem in Österreich geparkten Schlepper-Lkw waren nach Angaben der Polizei acht Frauen und vier Kinder. Man gehe davon aus, dass die Opfer in dem Kühlfahrzeug erstickt sind, teilte die Ermittler in einer Pressekonferenz am Freitagvormittag mit. Bei den Leichen fanden die Forensiker einen syrischen Pass, man gehe davon aus, dass es sich um eine syrische Flüchtlingsgruppe handelt, hieß es.     

In Ungarn wurden drei Verdächtige festgenommen. Einer der Männer ist laut Polizei bulgarisch-libanesischer Nationalität und der Halter des Fahrzeugs. Die beiden anderen hätten den Lastwagen gesteuert, hieß es. Einer der beiden sei Bulgare, der andere habe ein ungarisches Personaldokument bei sich gehabt. Ob die Verdächtigen nach Österreich überstellt würden, sei noch nicht klar, da der Fall auch Ungarn berühre, hieß es. Nach derzeitigem Stand gehörten die Täter zu einem bulgarisch-ungarischen Schlepper-Ring.

Der Lastwagen mit den Toten war am Donnerstag an einer Autobahn in Österreich entdeckt worden. Zunächst war von von 20 bis 50 Leichen die Rede gewesen, bei denen der Verwesungsprozess eingesetzt hatte. Denn aus dem Laderaum rann laut offiziellen Angaben Verwesungsflüssigkeit. 

Zunächst war es der Polizei nicht möglich gewesen, die Toten zu zählen. Polizisten, die das an der Autobahn A4 bei Neusiedl gefundene Fahrzeug inspiziert hatten, mussten anschließend von Psychologen betreut werden. 

Am Donnerstagabend war das Fahrzeug in eine ehemalige Veterinärmedizinische Anstalt geschleppt worden, wo eine entsprechende Kühlung vorhanden sei, hieß es von den Ermittlern. Dort wollten Fachleute die Leichen bergen und gerichtsmedizinisch untersuchen. Die Ermittler wollen die Herkunft und die Identität der Toten herausfinden.

Fünf-Punkte-Plan präsentiert

Die toten Flüchtlinge waren entdeckt worden als fast zeitgleich knapp 50 Kilometer entfernt in der Wiener Hofburg die zweite Westbalkan-Tagung begann, auf der die Flüchtlingskrise eines der Hauptthemen war. Das österreichische Innenministerium präsentierte noch am Donnerstag einen Fünf-Punkte-Plan gegen Schlepperei: "Wir werden internationale Züge aus Ungarn lückenlos kontrollieren", sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner "und wir werden die Kontrollen im grenznahen Raum verstärken".

Im an Ungarn grenzenden Burgenland wurden allein in den vergangenen beiden Tagen Hunderte Flüchtlinge aufgegriffen, sagte Polizeichef Hans Peter Doskozil. Viele Schlepper setzten sie auf den Straßen aus und überließen sie sich selbst. Für die kommenden Tage rechnet Österreich mit verstärktem Zulauf, weil Ungarn bald seinen Grenzzaun zu Serbien fertigstellen wird. In den vergangenen Wochen war die Zahl der Ankommenden bereits stark gestiegen. Viele Flüchtlinge wollen durch Österreich nach Deutschland.