Pakistans Behörden haben Ermittlungen im mutmaßlich größten Missbrauchsskandal in der Geschichte des Landes begonnen und sieben Beschuldigte festgenommen. Insgesamt 15 Männern wird vorgeworfen, mindestens 280 Kinder aus drei Dörfern in der Provinz Punjab sexuell missbraucht zu haben, berichtet die New York Times.

Am Wochenende hatte die pakistanische Zeitungen The Nation über Details zu den Vorwürfen berichtet. Die Beschuldigten sollen Videoaufnahmen gemacht haben, um die Kinder und deren Eltern anschließend damit zu erpressen, berichtet die Zeitung. Die meisten Opfer sollen demnach unter 14 Jahre alt gewesen sein. Insgesamt lägen den Ermittlern rund 400 unterschiedliche Aufnahmen vor.

Dorfbewohner sagten der Zeitung, die Aufnahmen seien auch ins Ausland verkauft worden. Saba Sadiq, der Leiter der Kinderschutzbehörde der Provinz Punjab, sagte, es handele sich um den größten Missbrauchsskandal in der Geschichte des Landes.

Der Fall erschüttert ein Land, in dem Kindesmissbrauch noch stärker tabuisiert wird als in anderen Gesellschaften. Der Bericht der Zeitung The Nation hat in sozialen Medien jedoch zu heftigen Debatten geführt. In einem Kommentar schreibt die Zeitung: "Es wurde so getan, als würden solche Sachen in Pakistan nicht passieren. Als gäbe es so etwas nur auf der gottverlassenen Erde des Westens."

Erstmals für Aufsehen sorgte der Fall, nachdem am Dienstag 4.000 Menschen gegen die Untätigkeit der Behörden protestiert hatten. Sie warfen den Beamten vor, die mutmaßlichen Täter zu schützen. Bei den Demonstrationen kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen Dutzende verletzt wurden.

Gegenüber der New York Times sagten lokale Polizisten, die Beschuldigten seien im Teenager-Alter gewesen. Die Videos seien zudem teilweise einvernehmlich entstanden. Die Vorwürfe seien erst erhoben worden, nachdem ein Streit über Land zwischen zwei Familien ausgebrochen gewesen wäre. Die Beschuldigten äußerten sich ähnlich.

Nach Angaben der New York Times sind auf einigen Aufnahmen jedoch weinende Jungen zu sehen. Die Opposition im Parlament von Pakistan hat angekündigt, das Thema am heutigen Montag auf die Tagesordnung zu setzen.