Ein Bild von Papst Franziskus hat in Argentinien eine Debatte über die Falklandinseln ausgelöst. Es zeigt das Kirchenoberhaupt mit einem Schild, auf dem in Spanisch steht: "Es ist Zeit für einen Dialog zwischen Argentinien und Großbritannien über die Falklandinseln." Präsidentin Christina Fernandes de Kirchner hat das Bild auf Facebook weiterverbreitet, zahlreiche Medien berichten, der Papst habe sich einer politischen Kampagne angeschlossen. Die alles entscheidende Frage ist jedoch: Wollte sich der Papst wirklich aktiv in den Streit einmischen, oder ist das Bild zufällig entstanden?

Der Vatikan hat bereits versucht zu beschwichtigen: In einem Telefoninterview mit einem argentinischen Sender sagte der Vizepressesprecher des Vatikan, Ciro Benedettini, der Papst habe gar nicht gemerkt, dass er mit dem Schild abgelichtet worden sei. Die Aufnahme sei während der Generalaudienz entstanden, die von vielen Besuchern genutzt werde, um Franziskus Geschenke zu überreichen.

Doch Gustavo Hoyos widerspricht. Er ist Initiator der Kampagne, die unter Bezug auf eine 50 Jahre alte UN-Resolution Argentinien und Großbritannien zu Gesprächen über die Inselgruppe im südlichen Atlantik auffordert, die seit dem Ende des Falklandkrieges 1982 zu Großbritannien gehört.  

Hoyos sagt, er habe dem Papst das Schild im Vatikan in die Hand gedrückt. Seiner Darstellung nach habe Franziskus mehrfach auf das Plakat gesehen und sei sich der Botschaft sehr bewusst gewesen. Er betonte, der päpstliche Zeremoniar und Mitarbeiter im Staatssekretariat, Guillermo Karcher, habe schon seit Längerem von dem Anliegen gewusst, ein Foto des Papstes mit dem Plakat zu erhalten; er habe Hoyos und seine Mitstreiter eingeladen, an einer Generalaudienz teilzunehmen. "Franziskus hat uns gesagt, wir sollen weitermachen", berichtete er.

Zahlreiche Tageszeitungen des Landes hatten das umstrittene Papstfoto am Donnerstag als Titelbild gebracht und schrieben, der Vatikan wolle die Angelegenheit herunterspielen. Die größte argentinische Tageszeitung Clarin erinnerte daran, dass Franziskus als früherer Erzbischof von Buenos Aires die Falklandinseln wiederholt als "argentinischen Boden" und "Heimatland" bezeichnet habe.

Falkland-Politiker fordert von Papst Zurückhaltung

Im März 2014 war Franziskus, ebenfalls während einer Generalaudienz, auf eine Gruppe argentinischer Falkland-Veteranen getroffen. Argentiniens Botschafterin in Großbritannien, Alicia Castro, sagte nun, die staatliche Zugehörigkeit der Falkland-Inseln sei "eine globale Frage". Sie lobte den Papst als einen "weltweiten Anführer und Förderer des Friedens". Kritische Stimmen zu dem Vorfall kamen aus den Reihen der Opposition. Die Abgeordnete Laura Alonso sagte, Papst Franziskus sei "erneut in eine Falle getappt".

Auch auf den Falklandinseln selbst löste das Foto Verärgerung aus. Der Parlamentarier Gavin Phillip Short sagte: "Die Bewohner der Falklandinseln entscheiden selbst über ihre Zukunft – nicht der Papst."

Großbritannien lehnt einen Dialog mit Argentinien über die Falklandinseln kategorisch ab. In dem britischen Überseegebiet im südlichen Atlantik leben etwa 3.000 Menschen. Außerdem sind dort 1.700 Soldaten stationiert.