Das Buch, aus dem dieser Text stammt, hat eine aufregende Vorgeschichte. Es sollte eine sexualethische Grundsatzerklärung der evangelischen Kirche werden. So klingt der Buchtext auch. Sämtliche Autoren haben in einer Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitgearbeitet; der zuerst genannte, der Erlanger Theologe Peter Dabrock, als Vorsitzender. Und alle Namen stehen für den gesamten Text. Auch das spiegelt die Arbeitsweise einer Kommission und nicht einer Kooperation von Autoren, die sich die Themen aufteilen.

Vor fünf Jahren, als Margot Käßmann für vier Monate Ratsvorsitzende der EKD war, rief der Rat das Gremium zusammen. Zuletzt hatte sich die EKD 1971 zum Thema positioniert. Da lehnte sie die Homosexualität noch als "sexuelle Fehlform" ab" und warnte vor ihrer Idealisierung. Die Dabrock-Kommission sollte eine neue Grundsatzerklärung erarbeiten. Anfang 2013 freute sich Margot Käßmanns Nachfolger Nikolaus Schneider noch: Das neue Dokument werde die evangelische Kirche "in diesen wichtigen gesellschaftlichen und ethischen Fragen überzeugend in der Gegenwart positionieren".

Doch im Juni 2013 flog dem Rat der EKD eine frisch veröffentlichte Orientierungshilfe zu Ehe und Familie um die Ohren. Wochenlang musste sich die Führung der Protestanten kritisieren lassen, sie demontiere Ehe und Familie, statt sie zu stärken. Ratsmitglieder und Bischöfe setzten sich von dem Papier ab.

Bekam der Rat der EKD Angst um sein Renommee? Und vor einem neuen Shitstorm? Er verordnete der Dabrock-Kommission eine Auszeit. Vorläufig, wie es hieß. Ende 2014 wurde bekannt: Er hatte das Gremium nach Hause geschickt. Und die EKD-Kammer für Theologie beauftragt, das evangelische Verständnis von Ehe und Familie zu klären. Jetzt stellt die Mehrheit der Kommissionsmitglieder ihren Text zur Debatte, der eigentlich ein EKD-Papier werden sollte.

Peter Dabrock, Renate Augstein, Cornelia Helfferich und andere: "Unverschämt schön. Sexualethik: evangelisch und lebensnah." Gütersloher Verlagshaus 2015, 176 Seiten, 14,99 Euro. Erscheint am 24. August.