Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat im Zentrum Syriens das jahrhundertealte christliche Kloster Mar Elian zerstört. Die Extremisten verbreiteten im Internet Bilder, die zeigen, wie Bulldozer das historisch bedeutende Bauwerk in dem Ort Karjatain südöstlich der Stadt Homs niederreißen. Auch die christlich-assyrische Nachrichtenagentur Aina berichtet über die Zerstörung. Die Terrormiliz erklärte, in dem Kloster sei nicht nur Gott angebetet worden.

In seiner radikalen Islam-Lesart verurteilt der IS die Anbetung von Heiligen als "Vielgötterei". Das am Rande der syrischen Wüste gelegene syrisch-katholische Kloster stammt aus dem fünften Jahrhundert und gilt als ein bedeutender Ort für das christliche Leben des Landes.

Den verbreiteten Aufnahmen zufolge planierten die Islamisten den ältesten Trakt der Anlage mit dem Grab des Mar Elian, eines Märtyrers aus dem 3. Jahrhundert. Das von syrischen Christen bis heute verehrte Heiligtum datiert ins 6., möglicherweise schon ins 5. Jahrhundert. Zuvor befand sich an dieser Stelle vermutlich ein römischer Militärposten. Archäologen legten in den vergangenen Jahren die Fundamente einer byzantinischen Kirche frei.    

Ein Mitglied der syrisch-katholischen Klostergemeinschaft sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), offenbar sei der neue Teil des Klosters mit Kirche und Wohngebäude verschont geblieben. "Wenn sie den Rest zerstört hätten, hätten sie auch diese Bilder ins Internet gestellt", sagte der Ordensmann, der sich außerhalb von Karjatain aufhält. Zur Zeit des Überfalls habe sich kein Mönch mehr in dem Kloster befunden. Die wenigen in Karjatain verbliebenen Christen stünden unter Hausarrest.

Mit der Zerstörung hätten die Milizen "15 Jahre Arbeit und zwölf Jahre archäologische Studien in einer halben Stunde zunichtegemacht", sagte der Ordensmann. Der neue Trakt habe nicht die "symbolische Bedeutung" und sei zudem durch eine Betonmauer abgetrennt. Außerdem lasse sich dieser Teil leicht für den IS umnutzen. Wie der Geistliche vermutet, dürften die Islamisten die Ikonen der neuen Kirche zerstört haben.

IS-Milizen hatten Karjatain am 4. August angegriffen und tags darauf eingenommen. Es ist die nächste Ortschaft zu der antiken Wüstenstadt Palmyra, die sich seit Mai in der Hand der Terrormiliz befindet. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker sollen in Syrien seit 2013 mindestens 81 christliche Kirchen zerstört worden sein.

Auch das Schicksal des Klostervorstehers, Bruder Jacques Murad, ist weiter ungewiss. Er war im Mai von Unbekannten verschleppt worden. Medienberichten zufolge hatte der Geistliche im syrischen Bürgerkrieg mehrfach zwischen Regime und Rebellen vermittelt. Demnach bot das Kloster auch Hunderten syrischen Flüchtlingen Schutz. Murad soll sich geweigert haben zu fliehen, obwohl der IS näherrückte.