Der mutmaßliche Attentäter, der am Freitagabend schwerbewaffnet einen Thalys-Schnellzug von Amsterdam nach Paris bestieg und zwei Passagiere mit Schüssen verletzte, hat sich der ermittelnden französischen Anti-Terror-Polizei gegenüber als Ayoub El Kahzani ausgegeben. Offenbar hatte er einen Massenmord an den Zuggästen geplant, zwei US-Soldaten und ein befreundeter Student überwältigten jedoch den Angreifer. Sollte es sich bei dem mutmaßlichen Attentäter tatsächlich um El Kahzani handeln, so wäre er 26 Jahre alt und marokkanischer Herkunft. El Kahzani reiste erst am 10. Mai dieses Jahres von Berlin nach Istanbul. Er hätte sich also vor Kurzem noch auf deutschem Territorium bewegt und sein Attentat auch in einem deutschen Zug planen können. Bisher hat das französische Innenministerium die Identität jedoch noch nicht bestätigt.

Ayoub El Kahzani ist ein den Behörden in Frankreich, Spanien und Belgien seit Jahren bekannter Anhänger des radikalen Islam. Er lebte bis 2014 in Süd-Spanien, wo er eine salafistische Moschee besuchte. Anschließend zog er nach Frankreich und unternahm von dort spanischen Angaben zufolge eine Reise nach Syrien. Von französischer Seite wird diese Darstellung jedoch bestritten. Demnach tauchte der im Februar 2014 nach Frankreich eingereiste El Kahzani erst beim Flug am 10. Mai dieses Jahres von Berlin nach Istanbul wieder auf dem Radar der Behörden auf.

In Frankreich führen die Behörden seine Akte unter der Bezeichnung "S" für Staatssicherheit. So werden über 5.000 Islamgläubige bezeichnet, welche die Behörden des Radikalismus verdächtigen, die sich aber in der Regel bislang nicht strafbar gemacht haben. Auch die Brüder Kouachi, die am 7. Januar dieses Jahres ein Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo verübten, bei dem sie zwölf Personen erschossen, wurden zuvor im "S"-Register der französischen Anti-Terror-Polizei geführt. Französischen Polizeiquellen zufolge übersteigt es die Möglichkeiten der Behörden, die 5.000 sogenannten "S"-Fälle systematisch zu beobachten.

Die Ermittlungen der französischen Anti-Terror-Polizei DGSI werden sich nun darauf konzentrieren, wie der mutmaßliche Attentäter in den Besitz seiner Waffen kam und welche Unterstützung er in letzter Zeit unterhielt. Nach belgischen Angaben stand der Täter in Kontakt mit den im Januar hochgenommenen Terroristen des belgischen Städtchens Verviers. Damals wurden bei einer Anti-Terror-Aktion der belgischen Polizei zwei mutmaßliche Terroristen erschossen, die einer radikalislamistischen Gruppe angehört hatten.