Mehr als 1.000 Feuerwehrleute sind in Tianjin im Einsatz – und noch immer stehen in der chinesischen Hafenstadt zahlreiche Gebäude in Flammen. In der Nacht hatte es im Industriegebiet zwei gewaltige Explosionen gegeben. Mindestens 44 Menschen wurden getötet, darunter zwölf Feuerwehrleute. In Krankenhäusern werden derzeit 520 Menschen behandelt, 66 von ihnen schweben in Lebensgefahr.

Staatschef Xi Jinping habe alle Kräfte für die Rettung der Opfer und das Löschen des Feuers mobilisiert, berichtete der staatliche Fernsehsender CCTV. Dem Sender zufolge mussten die Löscharbeiten jedoch vorübergehend unterbrochen werden. Chemiewaffenexperten sollten vor Ort zunächst feststellen, ob sich möglicherweise noch andere gefährliche Stoffe in den Lagerhäusern befanden. Die Stadtregierung teilte mit, man wisse nicht, welche Chemikalien in dem Hafengelände lagerten. Die Zeitung Beijing News berichtete von einem nicht identifizierten gelben Schaum im Hafengebiet.

Xi Jinping forderte harte Strafen für die Urheber der Explosionen. Erste Festnahmen gab es bereits: Staatlichen Medien zufolge wurden Führungskräfte des Unternehmens Ruihai Logistics festgenommen. Laut Polizei ereignete sich die erste Explosion in Schiffscontainern eines Lagers für Gefahrengüter, das dem Logistikkonzern gehört.

Diese erste Explosion löste laut Xinhua weitere Detonationen in nahe gelegenen Betrieben aus. Das Nationale Erdbebenschutzamt sprach von zwei großen Detonationen vor Mitternacht, die erste gleichbedeutend mit einer Sprengkraft von drei Tonnen TNT, die zweite gar von 21 Tonnen.

Gebäude anderer Logistikunternehmen wurden durch die Detonationen zerstört, mehr als 1.000 neue Autos des Fahrzeugherstellers Renault blieben laut Beijing News verkohlt auf einem Parkplatz zurück. 

Explosionen in Industrieanlagen keine Seltenheit

Mit knapp 15 Millionen Einwohnern ist Tianjin eine der größten Städte des Landes. Sie ist ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum und zählt mit Peking, Shanghai und Chongqing zu den vier Städten Chinas, die den Status einer Provinz genießen.

In China gibt es immer wieder Explosionen in Industrieanlagen: Im Juli wurden 15 Menschen getötet, als in der nördlichen Provinz Hebei ein illegales Lagerhaus für Feuerwerkskörper in die Luft flog. Vor einem Jahr starben mehr als 70 Menschen bei einer Explosion in einer Autoteilefabrik in Kunshan bei Shanghai. Ursache sind oft mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und laxe Kontrollen durch die Behörden.