Die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein hat eine ehemalige SS-Helferin in Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 260.000 Fällen angeklagt. Die 91 Jahre alte Deutsche soll als Funkerin der Kommandantur des Lagers von April bis Juli 1944 bei der systematischen Ermordung verschleppter Juden geholfen haben. Es gebe einen hinreichenden Tatverdacht, teilte die Staatsanwaltschaft mit

Für die Tat sei die Jugendkammer des Landgerichts Kiel zuständig, da die Frau zur Tatzeit heranwachsend gewesen sei, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Heinz Döllel. Jetzt müsse das Material gesichtet und entschieden werden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Döllel rechnet mit einer Entscheidung darüber im kommenden Jahr.

Der Prozess dürfte – sofern das Landgericht Kiel die Klage zulässt – einer der letzten Prozesse wegen des Massenmordes in Auschwitz sein. 

Der bisher letzte Auschwitz-Prozess wurde gegen den früheren SS-Unterscharführer Oskar Gröning geführt. In dem Verfahren steht die Entscheidung über die Haftfähigkeit des Verurteilten an: Das Landgericht Lüneburg hatte den 94-Jährigen wegen Beihilfe zum Massenmord zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Verteidigung hatte Revision eingelegt. Sollte der Bundesgerichtshof das Urteil bestätigen und das Urteil somit rechtskräftig werden, muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Gröning haftfähig ist. Schon vor Gericht war er gesundheitlich schwer angeschlagen, einige Verhandlungstage fielen deswegen aus. Wenn der BGH der Revision stattgibt, wird das Landgericht Lüneburg erneut in dem Fall verhandeln.

Gröning hatte im Prozess gestanden, Geld von Verschleppten gezählt und zur SS nach Berlin weitergeleitet zu haben. Dies brachte ihm später den Beinamen "Buchhalter von Auschwitz" ein. In seiner Aussage räumte er eine moralische Mitschuld am Holocaust ein.