Auf einer ganzseitigen Anzeige in der führenden libanesischen Tageszeitung An-Nahar warnt Ungarn vor einem illegalen Betreten seines Landes. Gegen Menschen, die dies versuchten, werde streng vorgegangen, heißt es in einer Anzeige der Zeitung. Es sei ein Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft werden könne. 

Im Libanon war im Sommer mehr als eine Million Syrer als amtliche Flüchtlinge erfasst. Viele von ihnen könnten nun versuchen, über die sogenannte Balkanroute nach Westeuropa zu gelangen. Ein ähnliches Bild bietet sich in der Türkei: Dort leben nach Regierungsangaben 2,2 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien. In der dortigen Grenzstadt Edirne warten nach wie vor Hunderte Syrer, die zu Fuß nach Griechenland laufen wollen. Deshalb riegeln die türkischen Behörden den Landweg zur Grenze hermetisch ab. Mehr als 100 Syrer wurden auch am Montag davon abgehalten, die Grenze zu passieren, dabei wurden vier Menschen festgenommen, berichtete der Sender CNN Türk.

Seit Ungarn seine Grenze zu Serbien geschlossen hat, ist die ursprüngliche Balkanroute über Griechenland und Ungarn gen Norden für Flüchtlinge zunehmend unpassierbar. Dennoch erreichen Tausende Menschen auf Umwegen ihr Ziel. Allein in der Nacht zum Montag seien nahe der Stadt Barcs 800 bis 1.000 Menschen über den Fluss Drau von Kroatien nach Ungarn gekommen, berichtete das ungarische Staatsfernsehen. Sie seien aus Kroatien mit Bussen an die Grenze gebracht worden. Dort hätten ungarische Polizisten sie zu einem Zug begleitet, der mit 15 Waggons nach Hegyeshalom an der ungarisch-österreichischen Grenze starten sollte.

Kroatien hatte vergangene Woche damit begonnen, Flüchtlinge an die ungarische Grenze zu bringen, was wütende Reaktionen in Budapest zur Folge hatte. Ungarn stellte nun einen Stacheldrahtzaun auch an der Grenze zu Kroatien fertig. Zugleich wurde der Hauptgrenzübergang Horgoš-Röszke 1 nach Serbien am Sonntag wieder geöffnet. Stillschweigend begann die ungarische Regierung auch damit, die Flüchtlinge möglichst rasch in Bussen in Richtung Österreich weiterzuleiten.

In Österreich wiederum zählte die Polizei in Nickelsdorf allein zwischen Mitternacht und Montagmorgen weitere 3.200 Flüchtlinge. Am Sonntag waren bereits mehr als 10.000 Menschen über die ungarisch-österreichische Grenze gelangt, viele von ihnen gelangten im Anschluss weiter nach Deutschland.  Nach Angaben der Bundespolizei waren es am Sonntag mehr als 5.000 Menschen, am Samstag bereits mehr als 1.700. Auch für Montag werden Sonderzüge erwartet, sagte ein Sprecher der Polizei.