Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat in diesem Jahr die für die Erstaufnahmeeinrichtungen zuständigen Innen- beziehungsweise Integrationsministerien zum Thema befragt. Laut Heike Rabe, wissenschaftliche Referentin am Institut, habe sich gezeigt, dass es meist in Erstaufnahmeeinrichtungen keine Vorgaben gebe, wie die Helfer vorgehen sollen und auch keine Präventions- oder Interventionskonzepte.

Keine Konzepte gegen sexuelle Gewalt

Stichprobenartige Anfragen von ZEIT ONLINE bei mehreren Betreibern von Flüchtlingsunterkünften bestätigen das. Das Gierso Boardinghaus in Berlin, das in der Hauptstadt fünf Flüchtlingsheime betreibt, sagt, die Sozialarbeiter seien zwar geschult, sensibilisiert und angehalten, Auffälligkeiten nachzugehen, man schätze das Risiko aber als gering ein. Sie hätten bisher auch keine Konzepte "im Konsens erarbeitet", die sich speziell auf sexuelle Gewalt beziehen.

Die European Homecare, mit 100 Flüchtlingsheimen der Big Player im privaten Sektor der Flüchtlingsunterbringung und durch gewalttätiges Wachpersonal in Burbach in die Kritik geraten, sagt, man habe "keine institutionalisierte Praxis explizit in Bezug auf sexuelle Übergriffe", aber "eine hohe Awareness". Das Unternehmen verlange auch von Ehrenamtlichen ein erweitertes Führungszeugnis.

Fördern und wohnen, städtischer Betreiber von Flüchtlingsunterkünften in Hamburg, sanktioniere entsprechendes Verhalten von Bewohnern, indem man sie in eine andere Einrichtung verlegt beziehungsweise die betroffene Person aus der Gefahr nehme. Neue Mitarbeiter müssten ein einfaches Führungszeugnis vorlegen.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat ausführliche Empfehlungen ausgesprochen. Heike Rabe hält es in der aktuellen Lage für am dringlichsten, Frauen- und Kindern eigene Räume zur Verfügung zu stellen und sie etwa über das Bundeshilfetelefon zu informieren, bei dem sofort Dolmetscher dazugeschaltet werden können. Es sei aber wichtig, von den Betreibern Gewaltschutzkonzepte einzufordern. Denn das Gesamtpaket dürfe man jetzt nicht aus den Augen lassen: "Heute werden die Flüchtlingsunterkünfte für morgen gebaut."