Papst Franziskus hat die Jugend Kubas bei seinem Besuch dazu aufgerufen, sich nicht von Ideologien treiben zu lassen. Man solle sich nicht in Weltanschauungen einmauern, sagte der Papst bei einer Begegnung mit Hunderten Jugendlichen in der Hauptstadt Havanna. "Alle sind unterschiedlich, aber alle sollen gemeinsam an einem guten Gemeinwohl arbeiten", so der 78-Jährige.

Zuvor hatte er auch den Revolutionsführer und Ex-Machthaber Fidel Castro getroffen. Castro empfing den Argentinier in einem blau-weißen Trainingsanzug. Das "sehr vertraute und formlose Gespräch" in der Residenz Castros habe 30 bis 40 Minuten gedauert, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Anschließend tauschten die beiden Büchergeschenke aus. Der Papst hatte schon bei der Ankunft in Havanna seine "spezielle Achtung und Ehrerbietung" für den Anführer der Revolution von 1959 geäußert.

Zwei bekannte kubanische Regierungskritikerinnen wurden unterdessen nach eigenen Angaben von Sicherheitskräften an der Teilnahme an einem Abendgebet mit Papst Franziskus gehindert. Sie seien verhaftet und vorübergehend festgehalten worden, damit sie die Vesper in der Kathedrale von Havanna nicht besuchen könnten, sagten Martha Beatriz Roque und Miriam Leiva. Dabei hätten sie vom Büro des Apostolischen Nuntius in Kubas Hauptstadt eine Einladung zu dem Gottesdienst erhalten.

Roque sagte, sie sei zudem vom Vatikan zu einem Treffen mit dem Papst geladen worden, das kurz nach dessen Ankunft am Samstag in der Residenz des Nuntius stattfinden sollte. Auch an diesem Tag sei sie verhaftet und dann freigelassen worden, nur um am Sonntagnachmittag erneut in Gewahrsam genommen zu werden. Leiva und Roque sagten, die Agenten hätten ihnen ausdrücklich gesagt, dass sie nicht zu Gottesdiensten mit Franziskus gehen könnten.

Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte, dass einige Dissidenten zu Veranstaltungen eingeladen worden seien, bei denen sie mit dem Papst zusammentreffen sollten. Zwar seien die Regierungskritiker nicht aufgetaucht, doch könne er nicht sagen, ob eine Verhaftung der Grund für ihr Fernbleiben sei.

Auf der zweiten Station seiner Reise wird Papst Franziskus am Montag zu einer Messe in der ostkubanischen Stadt Holguín erwartet. Holguín wird erstmals von einem Oberhaupt der katholischen Kirche besucht. Er will sich dort auch mit Bischöfen treffen, bevor er zur letzten Station, nach Santiago weiterreist. Von hier geht es dann am Dienstag weiter in die USA. Es ist seine bisher längste Reise.