Bei dem Verdächtigen handele es sich um Gildardo López Astudillo, ein ranghohes Drogenkartell-Mitglied, teilte Staatsanwalt Miguel Ángel Godínez Munoz mit. Demnach ging López Astudillo den Behörden am Vortag in der Stadt Taxco ins Netz. Der nationale Sicherheitsbeauftragte Renato Sales bestätigte die Festnahme. Dieser nannte López Astudillo den "intellektuellen Autor" hinter dem Verschwinden der Studenten in Iguala. Er habe die Studenten für Mitglieder einer verfeindeten Bande gehalten.

Der mutmaßliche Regionalchef der kriminellen Organisation Guerreros Unidos hatte zuletzt bis zu drei Mal den Wohnort gewechselt. Nach einer elfmonatigen Observierung durch den Geheimdienst und die Polizei griffen die Beamten zu. Gegen "El Gil" liegt ein Haftbefehl wegen organisierter Kriminalität und Entführung vor. 

Mexiko - Ein Student berichtet, wie er den Angriff von Iguala überlebte VIDEO: José de la Cruz entkam nur knapp, als die Polizei im mexikanischen Iguala eine Studentengruppe attackierte, von denen später 43 spurlos verschwanden. Hier erzählt er seine Geschichte. (6:39 Min)

In der Stadt im Bundesstaat Guerrero waren die jungen Leute am 26. September 2014 in eine Konfrontation mit der Polizei geraten. Korrupte Beamte im Dienste einer Verbrecherbande hielten sie für Mitglieder einer rivalisierenden Gang und haben sie deshalb angegriffen, so die Staatsanwaltschaft. Mindestens sechs Studenten wurden erschossen, die übrigen verschwanden spurlos. Ermittlungen der Regierung zufolge nahm die örtliche Polizei die jungen Menschen illegal fest und übergab sie der Bande Guerreros Unidos. Die Studenten sollen ermordet und auf einer Mülldeponie verbrannt worden sein. Der Vorfall warf ein Schlaglicht auf die engen Kontakte zwischen Politik, Sicherheitskräften und dem organisierten Verbrechen in Mexiko.

Mittlerweile sind 111 Verdächtige in Haft. Einige sagten aus, "El Gil" habe angeordnet, die Studenten auf einer Müllhalde bei Cocula zu töten und ihre Leichen zu verbrennen. Den Ermittlungen zufolge schrieb er dem Chef der Guerreros Unidos, Sidronio Casarrubias Salgado, zuvor eine Nachricht, bei den jungen Männern handele es sich um Mitglieder einer rivalisierenden Bande. Casarrubias Salgado ordnete daraufhin an, "das Territorium zu verteidigen".

Bislang sind erst zwei Opfer identifiziert. Experten der Universität Innsbruck ordneten in Cocula entdeckte Leichenteile zwei Studenten des Lehrerseminars Ayotzinapa zu. 

Die Angehörigen der jungen Männer glauben nicht an die offizielle Version der Ereignisse und fordern weitere Ermittlungen. Eine unabhängige Untersuchungskommission hatte zuletzt massive Zweifel an der offiziellen Darstellung der Ereignisse geäußert. Experten des Gremiums erklärten unter anderem, die angebliche Verbrennung der Leichen auf einem riesigen Scheiterhaufen habe es nie gegeben.