Hunderte Asylbewerber haben sich in einem Lager an der slowenischen Grenze zu Österreich über Metallabsperrungen hinweggesetzt. Nachdem sie stundenlang bei kaltem Wetter auf eine Grenzüberquerung gewartet hatten, drängten bis zu 1.000 Menschen zwischen den von Polizisten errichteten Barrieren im Camp Šentilj nach vorn. Nachdem die Polizei mehrere Hundert Personen in Richtung Österreich ziehen ließ, beruhigte sich die Lage.

Zuvor war ein Kampf zwischen Flüchtlingen in dem Lager ausgebrochen. Die Auseinandersetzung macht die Anspannung der Tausenden von Wartenden deutlich. Die Abläufe vor Ort sind sehr langsam. Die Behörden auf beiden Seiten der Grenze lassen jeweils nur kleine Gruppen auf einmal passieren.

In Slowenien trafen in der Nacht zum Donnerstag mehr als 5.000 Flüchtlinge aus Kroatien ein, wie die slowenische Nachrichtenagentur STA meldete. Am Mittwoch waren es knapp 10.000.

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner forderte erneut eine Art "Sperre" zur besseren Kontrolle von Flüchtlingen, benutzte aber das Wort "Zaun" nicht mehr. "Der beste Grenzübergang bringt nichts, wenn links und rechts davon alles offen ist", sagte Johanna Mikl-Leitner. Ihre vorherige Ankündigung, einen rund 30 Kilometer langen Zaun rund um den Übergang Spielfeld an der Grenze zu Slowenien errichten zu lassen, hatte für Kritik in der eigenen Koalition, aber auch in Brüssel gesorgt.

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth sagte während eines Besuchs an der österreichisch-deutschen Grenze, Europa könne an der Flüchtlingsfrage auseinanderbrechen. "Es wird Zeit, dass ganz Europa Verantwortung übernimmt für die vielen Flüchtlinge und nicht nur einige wenige Länder." Sie lobte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Entscheidung, die Menschen nach Deutschland kommen zu lassen. "Die Flüchtlinge verlassen ihre Heimat nicht, um bei uns ein Taschengeld zu bekommen. Sie haben einen tödlichen Weg hinter sich", sagte Roth.

Nach der Einigung auf einen 17-Punkte-Plan bei dem Spitzentreffen zur Flüchtlingskrise hat die EU-Kommission einen ersten Fortschrittsbericht veröffentlicht. Von den 50.000 neuen Aufnahmeplätzen, die bis Jahresende entlang der Balkanroute entstehen sollen, können demnach 12.000 in Ländern wie Österreich und Serbien sofort eingerichtet werden. Für die Verstärkung des Grenzschutzes in Slowenien haben EU-Staaten erst 183 Beamte zugesagt. Damit ist das Ziel, innerhalb einer Woche 400 Beamte zu entsenden, weit entfernt. Die EU-Kommission muss die Umsetzung der Verpflichtungen wöchentlich dokumentieren.

Busfahrer wegen Schleuserverdacht festgenommen

Auch in Bayern kommen weiter Tausende Flüchtlinge an, bis zum Abend waren es rund 6.500 Menschen im Raum Passau. Die Notquartiere bleiben überfüllt. Die österreichischen Behörden hätten je 40 Busse mit Flüchtlingen für Wegscheid und Achleiten angekündigt, sagte ein Polizeisprecher, hinzu komme der Bahnverkehr.

Geplant waren vier Sonderzüge von Passau, die mehr als 2.000 Menschen in andere Bundesländer verteilen sollten. Die Züge sollten unter anderem nach Köln, Hannover und ins thüringische Saalfeld fahren.

Derweil stehen zwei österreichische Busfahrer unter Schleuserverdacht. Sie waren eigenen Angaben zufolge auf einer Kreuzung nahe des Grenzübergangs Achleiten-Passau falsch abgebogen und auf der deutschen Seite gelandet. Weil beide Busse mit Flüchtlingen voll besetzt waren, werde gegen die Fahrer wegen des Verdachts der Schleusung ermittelt, sagte der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung. "Schleusung ist eine Straftat. Da müssen wir zwingend ermitteln." Die Fahrer würden derzeit vernommen. Ob sie in Untersuchungshaft kommen, entscheidet ein Passauer Staatsanwalt. Nach Einschätzung des Polizeisprechers sei damit aber kaum zu rechnen. Eine Anzeige würden die Fahrer jedoch bekommen.

In den vergangenen Tagen waren oft mehr Busse als angemeldet von österreichischer Seite zur Grenze gefahren, meistens erst am Abend. Dies hatte die Behörden auf deutscher Seite vor große Probleme gestellt. Die Bundespolizei war damit beschäftigt, die Unterkünfte im Tagesverlauf so schnell wie möglich zu räumen, ehe die Busse aus Österreich mit weiteren Flüchtlingen anrollten. Durch das Wetter habe sich die Lage verschärft, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Inzwischen habe Sprühregen eingesetzt und es sei kälter geworden. Man könne die Menschen aber erst aus der Kälte holen, wenn in den Unterkünften Platz frei geworden sei.