Gewalt in Flüchtlingsunterkünften ist nach Erkenntnissen der Polizei vor allem eine Folge der Überbelegung der Einrichtungen. Ethnische oder religiöse Feindschaften spielten dagegen eine weniger starke Rolle, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, dem Deutschlandfunk. In kleineren Unterkünften sei die Gefahr von Spannungen geringer: "Wir müssen deshalb dafür sorgen, dass wir eine Verfahrensbeschleunigung bekommen und eine schnellere Dezentralisierung." Eine getrennte Unterbringung verschiedener Gruppen von Flüchtlingen könne die Probleme sogar noch vergrößern.

Erkenntnisse, dass sich Terroristen unter die Flüchtlinge mischten, hat das BKA laut Münch nicht. Im Moment gebe es etwa 70 Hinweise, denen man nachgehe, es sei aber nichts Konkretes dabei. Werbeversuche von Salafisten unter den neu angekommenen Flüchtlingen seien nicht erfolgreich, sagte Münch. Damit bestätigte der BKA-Chef Einschätzungen des Bundesverfassungsschutzes.

Münch erklärt das mit dem Schicksal vieler Flüchtlinge. Salafisten hätten eine abschreckende Wirkung auf die Menschen aus den Kriegsregionen Syriens und des Iraks. "Die sind gerade vor diesen Personen geflohen und treffen dann hier ähnliche wieder an." Unter den Flüchtlingen gebe es Gruppen, die der Polizei wenig Probleme bereiteten. "Ganz vorne würde ich da erwähnen wollen Syrien und Irak, also momentan die Hauptbetroffenen in diesem Flüchtlingsstrom", sagte Münch.

Banden aus Osteuropa

Laut Münch gibt es aber auch Gruppen, bei denen sich die Situation anders gestaltet, etwa bei unbegleiteten Jugendlichen aus Nordafrika. Einige von ihnen hätten sich in ihrer Heimat als Straßenkinder durchschlagen müssen und das auch mithilfe von Kriminalität. "Die beschäftigen uns sehr, sehr stark – also die Polizeien der Länder vor allem", sagte Münch. Hier sei allerdings nicht nur die Polizei gefragt. Es gehe auch um Strategien, wie man diese Jugendlichen auf einen Weg bringen könne, der sie weniger kriminell auffällig mache.

In der Zuwanderung nach Deutschland besorgen den BKA-Chef insbesondere kriminelle Banden aus einigen Ländern Osteuropas. "Wir haben in den letzten fünf Jahren eine Versechsfachung der Asylanträge von Georgiern, wo die Anerkennungsquote bei null liegt. Das Ziel ist hier, sich einige Zeit in Deutschland aufhalten zu können und in dieser Zeit Straftaten zu begehen." Die Polizei habe über 6.000 Straftäter und zahlreiche Verbindungen ins Ausland festgestellt.

Als weitere Probleme, die die Polizei trotz der Sonderbelastung der Flüchtlingskrise nicht aus den Augen verlieren dürfe, nannte Münch die Internetkriminalität sowie den internationalen Terrorismus. "Hinten runter" könnten bei all den Aufgaben andere Einsätze wie  Großverkehrskontrollen fallen, etwa der für den Herbst geplante Blitzmarathon in Nordrhein-Westfalen.