Mit der steigenden Zahl der Asylbewerber in Deutschland wird auch der Widerstand größer und gefährlicher. Es bleibt oft nicht bei Demonstrationen. Längst mischt vielerorts die NPD mit, ständig brennt es irgendwo oder es fliegen Steine. Aber auch zwischen den Asylbewerbern wachsen die Spannungen. Wir haben die Ereignisse einer einzigen Woche gesammelt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Donnerstag, 8.10.2015

In Reinberg, Mecklenburg-Vorpommern, werfen Unbekannte Steine auf ein Mehrfamilienhaus, das für Flüchtlinge vorgesehen ist. Der Staatsschutz nimmt Ermittlungen auf.

In Ingolstadt bricht am frühen Morgen ein Brand in einem Flüchtlingsheim aus, vier Menschen werden verletzt, unter ihnen zwei Kinder im Alter von einem und sechs Jahren.

Auch im sächsischen Grimma brennt eine geplante Flüchtlingsunterkunft. Der Polizei zufolge ist das Feuer wohl gelegt worden.

Im nordrhein-westfälischen Altena werden zwei Männer auf freien Fuß gesetzt, die geständig sind, ein Haus in Brand gesetzt zu haben. Sie seien "verärgert" gewesen, dass dort Flüchtlinge eingezogen sind. Die Polizei sieht keine Haftgründe. Der zuständige Staatsanwalt Bernd Maas erklärt einige Tage später, die Täter seien nicht rechtsradikal, sondern hätten Angst vor Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft gehabt. Eine rechtsradikale Einstellung bestünde "aus mehr als Fremdenhass".

Die sächsische Polizei geht gegen ein Gerücht vor, dass die Facebookgruppe "Wurzen wehrt sich gegen Asylmissbrauch" verbreitet hat. Demnach sollen sechs Asylbewerber zwei Männer angegriffen haben. Die Polizei postet ihre Klarstellung – nichts davon stimme – an der Pinnwand der Wurzener Facebookgruppe, das Posting wird jedoch gelöscht und die Polizei blockiert.


Freitag, 9.10.2015

Im bayerischen Beilngries brennt ein Wohnhaus, das auch als Unterkunft für Asylbewerber genutzt wird. Es gibt keine Verletzten. Die Bewohner wurden von Bauarbeitern auf dem Nachbargrundstück gewarnt.

Am selben Abend kommt es auch in Brandenburg und Sachsen zu Ausschreitungen gegen Flüchtlingsunterkünfte. In Cottbus versuchen 400 Menschen, unter ihnen Rechtsextreme, zu einem Asylbewerberheim durchzudringen und werden erst spät von der Polizei gestoppt.

Die Polizei in Ingolstadt fasst den mutmaßlichen Täter des Brandes vom Donnerstagmorgen. Ein 22 Jahre alter Syrer, der nachts im Heim ausgerastet sein soll. Er habe auch einen Porsche zertrümmert und einen Besucher des Heims mit einem Messer bedroht. Nun befinde er sich in einer Klinik.

Im Dresdner Stadtteil Prohlis greifen 30 bis 40 Rechtsextreme ein Willkommensfest an, später werden Polizisten und Einsatzfahrzeuge mit Flaschen beworfen. In der Südvorstadt randalieren nach dem Spiel von Dynamo Dresden gegen den Chemnitzer FC etwa 20 Personen, die Pyrotechnik auf Flüchtlingszelte werfen.

In Gera berichtet die Polizei von einem Hausfriedensbruch an einer geplanten Unterkunft. Etwa sechs Menschen machen sich an den Wasserhähnen zu schaffen. Sie können entkommen.

In einer Mannheimer Unterkunft kommt es zu einer Schlägerei unter jugendlichen Syrern und Afghanen, bei der sieben Menschen verletzt werden. In einer Unterkunftin Backnang, ebenfalls Baden-Württembergprügeln sich mehrere Asylbewerber, dabei werden zwei Menschen lebensgefährlich verletzt.

Im Chemnitzer Stadtteil Markersdorf weigern sich 60 Asylbewerber, in eine von der Gemeinde bereitgestellte Turnhalle zu ziehen. Sie sind aus einem Erstaufnahmelager gekommen und sollten auf Einzelwohnungen verteilt werden, die aber noch nicht vollständig vorbereitet sind. In der Nähe des Gebäudes warten bereits etwa 100 Demonstranten, die sie mit Stinkefinger und "Wir sind das Volk"-Rufen empfangen.   

In den Diskussionen mit Stadtvertretern sagen die Flüchtlinge, dass sie Angst hätten, aber auch, dass die Halle mit den eng gestellten Feldbetten nicht komfortabel genug sei. Etwa 20 Flüchtlinge verschwinden in der Nacht spurlos, zehn ziehen schließlich doch in die Halle, 30 harren die Nacht über vor dem Gebäude aus. Schließlich willigt Pfarrerin Hiltrud Anacker von der benachbarten Bonhoeffer-Gemeinde ein, die verbliebenen Flüchtlinge aufzunehmen.


Samstag, 10.10.2015

Der Thüringer Pegida-Ableger bringt in Gera rund 1.500 Menschen auf die Straße. Erneut brechen drei Männer in die noch unbewohnte Erstaufnahme der Stadt ein. Sie haben Messer und Soft-Air-Pistolen bei sich.

In Sachsen finden währenddessen an mehreren Orten Demonstrationen gegen die Flüchtlingspolitik statt. In Plauen, wo sich 5.000 versammeln, treten die Organisatoren gemäßigt auf. Anders in Schneeberg, wo etwa 1.000 Menschen dem Aufruf "Tradition statt Invasion" des NPD-Politikers Stefan Hartung folgen. In Limbach-Oberfrohna skandieren die 150 Teilnehmer Neonazi-Parolen wie "frei, sozial und national" oder "Wir marschieren – der nationale Widerstand". In Stollberg, wo eine Gruppe namens "Freie Patrioten" zur Demonstration aufgerufen hat, rufen um die 500 Menschen "Der Islam gehört nicht ins Erzgebirge".

In Erfurt misslingt ein Naziaufmarsch: Der Anmelder und ein Redner aus Berlin bleiben mit ihrem Megafon und einer Deutschlandflagge allein. 

Im baden-württembergischen Altheim wirft ein Unbekannter einen rauchenden Gegenstand in ein Haus, in dem mehrere Asylbewerber untergebracht sind. Eine Frau wird leicht verletzt, es entsteht ein geringer Sachschaden. Die Polizei sieht zunächst keinen Hinweis auf einen fremdenfeindlichen Anschlag.

In Heidelberg legt ein ehemaliger Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft zusammen mit einem Komplizen Feuer. Mehrere Bewohner verfolgen und stellen die Männer.

In Chemnitz-Markersdorf, wo die Flüchtlinge sich weiterhin weigern, in eine von der Stadt bereitgestellte Turnhalle zu ziehen, greifen Rechtsextremisten Unterstützer der Flüchtlinge an. Zwei von ihnen werden verletzt. Später in der Nacht fliegen Steine in das Gemeindehaus, in dem die Flüchtlinge inzwischen untergebracht sind. Scheiben gehen zu Bruch, eine Frau wird leicht verletzt. Bürgermeisterin Barbara Ludwig verhandelt mit den Flüchtlingen. Einige von ihnen werden in zwei freistehende Wohnungen gebracht.