Der Todesschütze von Oregon hat sich auf seine Bluttat minutiös vorbereitet und war schwer bewaffnet. Er habe sechs Waffen und eine schusssichere Weste getragen, teilten die Behörden mit. Zudem gaben Ermittler am Freitag erstmals Details über seine Opfer preis: Sie waren demnach zwischen 18 und 67 Jahre alt, unter ihnen waren mehrere Studienanfänger und ein Lehrer. Am Donnerstag erschoss der 26-jährige Christopher Harper M. laut den Behörden am Umpqua Community College in Roseburg neun Menschen. Bei einer Schießerei mit der Polizei kam er danach um.

Das Motiv des mutmaßlichen Täters blieb unklar. Doch verdichteten sich die Hinweise auf ein mögliches religiöses Motiv. Janet Willis, Großmutter eines der Opfer, sagte, der Schütze habe gezielt Christen ins Visier genommen.

Ihre Enkelin Anastasia Boylan saß in dem Klassenzimmer, in dem der Täter das Feuer eröffnete. Er habe die Studenten nach ihrer Religion gefragt, sagte Willis unter Berufung auf ihre Verwandte. "Wenn sie sagten, sie seien Christen, schoss er ihnen in den Kopf." Zudem habe der Schütze einem verschont gebliebenen Studenten mit der Anweisung ein Paket gegeben, es an die Behörden zu schicken.

Laut der Staatspolizei von Oregon war M. in der Literaturklasse eingeschrieben, die er attackierte. Interimsstaatsanwalt Billy Williams sagte zudem, der Schütze habe eine Handfeuerwaffe gegen seine Kommilitonen eingesetzt. In einem anderen Raum habe der Täter zudem ein Gewehr verstaut, das er dann nicht benutzt habe. Was er damit vorgehabt habe, könne unmöglich ermittelt werden, sagte Williams weiter.

Zuvor hatte die für Bekämpfung von Waffenschmuggel zuständige Behörde ATF mitgeteilt, dass in M.s Wohnung sieben weitere Waffen gefunden worden seien. Alle Pistolen und Gewehre seien legal erworben worden.

Amokschütze bestand Grundausbildung bei der US-Armee nicht

In der Vergangenheit hatte M. erfolglos an einem Feldlager für Rekruten teilgenommen. Die militärische Grundausbildung habe er 2008 nicht bestanden, teilte die US-Armee mit. Er habe Anfang November jenen Jahres in Ft. Jackson in South Carolina das Feldlager begonnen, sei aber schon am 11. Dezember entlassen worden, weil er die Mindeststandards nicht erfüllt habe. Rekruten müssen normalerweise eine gute physische und psychische Verfassung aufweisen und eine gewisse Punktzahl in einem Test erreichen, der sich unter anderem um Wissen über Wissenschaft, Mathematik sowie Textverständnis dreht.

Die Profile von M. in den sozialen Netzwerken legten zudem den Eindruck nahe, dass er von der nordirischen Untergrundorganisation IRA fasziniert und von der traditionellen Religion frustriert war. Zudem informierte er sich im Internet über andere Massenschießereien.

Präsident Barack Obama machte sich unter dem Eindruck der Bluttat von Roseburg erneut für strengere Waffengesetze stark – und nahm dabei deren Befürworter in die Pflicht. Lobbygruppen, republikanische Politiker und andere Gegner der Waffenkontrolle wüssten genau, wie sie Ängste schüren und Geld für ihre Sache sammeln könnten, sagte Obama am Freitag. Das amerikanische Volk müsse nun den gleichen Handlungsdruck an den Tag legen, wenn die Flut der Massenschießereien versiegen solle.