Das, wie auch der Galgen, sind keine PR-Kniffe, kein Schrei nach Aufmerksamkeit. Es ist keine Taktik, es viel schlimmer. Der Galgen und all die anderen Dinge, sie sind langsam und beständig gewachsen in dem Biotop, das Pegida ist.

Es gab Wochen, in denen kein überregionales Medium berichtete und kein Politiker sich zu Wort meldete, in denen die Pegidisten ganz für sich allein durch Dresden und all die anderen Orte trotteten – und sich damit sehr wohl fühlten. Die Versammlungen sind längst riesige Familientreffen. Eine eingeschworene Gemeinschaft, die es sich bequem gemacht hat in ihrem Politiker-Spott, ihrem Hass und ihrer Systemfeindschaft. Das vergangene Jahr hat gezeigt: Pegida funktioniert auch ohne Hype. Dass die Teilnehmerzahlen nun wieder in den fünfstelligen Bereich wachsen, dürfte auch mit den so drastisch angestiegenen Zahlen von Asylbewerbern in Deutschland zu tun haben. Auf diejenigen, die schon mit Pegida sympathisierten, wirkt das wie die Bestätigung all des Dresdner Geraunes: Jetzt kommen die muslimischen Massen, vor denen Lutz uns immer gewarnt hat!

Zurück zu den Morddrohungen gegen Merkel und Gabriel. Ein weiteres Bild macht an diesem Dienstag die Runde, es zeigt eine Guillotine auf der TTIP-Demo am Wochenende in Berlin. Darauf der Spruch: "Pass bloß auf Sigmar!" Ja, Demokratiefeinde gibt es auch dort, wo Grüne und Gewerkschaften mitdemonstrieren. Der Unterschied aber zwischen der Guillotine und dem Galgen ist: Der TTIP-Protest ist nicht als Ganzes hetzerisch und demokratiefeindlich. Pegida ist es schon. Beide Morddrohungen haben eine Strafanzeige verdient. Aber nur für die Dresdner Rassisten gilt: Wer jetzt noch mitläuft, ist mit verantwortlich für das, was danach kommt. Für brennende Heime, verletzte Flüchtlingshelfer und Angriffe auf Politiker und Journalisten. Für all die Taten, die diese Hetze inspiriert.