Das Feuer war gegen 23 Uhr am Freitagabend ausgebrochen. 146 Verletzte werden in Krankenhäusern der Hauptstadt behandelt, sagte Notfallkoordinator Raed Arafat. Sie hätten Verbrennungen, Rauchvergiftungen und offenen Wunden erlitten. Die Zahl der Toten könnte noch steigen. Arafat sprach von "einer Tragödie ohne Beispiel".

Viele der 27 Todesopfer sind noch nicht identifiziert. Bei insgesamt 17 Toten sei unklar, um wen es sich handele, sagte Arafat. Es sei die schlimmste Brandkatastrophe in der jüngeren Geschichte des Landes. Eine Krankenhausmitarbeiterin sagte, einige Opfer seien zwischen 14 und 16 Jahre alt. Im Fernsehen wurde die Nummer einer Hotline für Informationen genannt. Nach einer Krisensitzung kündigte die rumänische Regierung eine dreitätige Staatstrauer an.

Zum Zeitpunkt des Brandes stellte die Bukarester Metalcore-Band Goodbye to Gravity vor 300 bis 400 Gästen ihr neues Album vor. Der Club Colectiv liegt in der Altstadt von Bukarest in der Nähe des Parlamentspalasts. Staatspräsident Klaus Iohannis gab den Betreibern des Clubs die Schuld für den Brand. "Die Tragödie ist geschehen, weil einfache Regeln ignoriert wurden", sagte er beim Besuch des Unglücksorts.

Seit Mitte Januar hat die Diskothek zwar eine grundsätzliche Betriebserlaubnis der Bukarester Stadtverwaltung. Eine Genehmigung des Katastrophenschutzes für eine Feuerwerksshow hat es aber wohl nicht gegeben. Zur Zeit prüft die Staatsanwaltschaft ob sie nun eine Anklage wegen Mordes anstebt.

Innenminister Oprea hatte zunächst von einer Explosion als Unglücksursache gesprochen. Rumänische Behörden stellten kurz darauf klar, dass ein Feuer in dem Kellerlokal ausgebrochen sei. Eine Explosion habe es nicht gegeben.

Augenzeugen sagten dem rumänischen Fernsehsender Digi 24, dass sich während einer Feuerwerksshow zunächst eine mit Schallschutzschaum verkleidete Säule in der Nähe der Bühne entzündet habe. Ein Wachmann habe vergeblich versucht, den Brand zu löschen. Von der Säule habe sich das Feuer auf die ebenfalls mit Schallschutzmaterial versehene Decke und anschließend auf die Wände ausgebreitet. Der Sender Antena 3 berichtete, viele Clubgänger hätten die riesigen Flammen zunächst für einen Teil der Show gehalten.

"Menschen fielen in Ohnmacht, sie wurden ohnmächtig vom Rauch", sagte Victor Ionescu Antena 3. Er war mit einer Freundin in dem Club. Weil die Besucher zunächst nur über einen von zwei Ausgängen flüchten konnten, sei es zu einer Panik gekommen. "Es war ein totales Chaos, Menschen trampelten sich gegenseitig nieder", sagte Ionescu. "All das hätte verhindert werden können, wenn die Notfalldienste die Flucht besser organisiert hätte." Ein weiterer junger Mann sagte, die Flammen hätten Haut und Haare von Clubgängern angegriffen. Wegen des dichten Rauchs fanden die Rettungskräfte viele Gäste mit Herz- und Atemstillstand im Raum vor.

Krankenhaus überfüllt

Digi 24 berichtete, das Floreasca-Notfallkrankenhaus sei überfüllt und stelle Krankenliegen auf den Fluren auf. In einer Bank nahe des Unfallorts wurde ein Ersteinschätzungszentrum errichtet. Gesundheitsminister Nicolae Bănicioiu rief zu Blutspenden auf. Laut Digi 24 sind unter den Todesopfern viele Ausländer, die kein Rumänisch sprachen.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sah, wie in Notfalldecken eingehüllte Menschen vor dem Club geschockt auf- und abliefen. Andere wollten in das Gebäude, um Angehörige zu finden. Am Unglücksort forderten viele Informationen darüber, was mit ihren Familienmitgliedern und Freunden passiert sei.

Rumäniens Präsident Klaus Johannis schrieb auf seiner Facebook-Seite, er sei "erschüttert und tief traurig" über diese Tragödie. Es sei "ein sehr trauriger Moment (…) für unsere Nation." Ministerpräsident Victor Ponta verkürzte einen Besuch in Mexiko, um nach Bukarest zurückzukehren. Innenminister Oprea kam noch am Abend vor dem Club an. Sein Ministerium teilte mit, 60 Rettungs- und Feuerwehrwagen seien im Einsatz. Ein mobiles Krankenhaus sei vor dem Gebäude aufgestellt worden, um Verletzte zu versorgen. Für die frühen Morgenstunden wurde eine Krisensitzung der Regierung einberufen.

Erst zehn Tage zuvor hatte die Polizei das Lokal kontrolliert und einen Mangel an qualifiziertem Personal beanstandet und dafür eine Geldbuße verhängt.