Das verunglückte Flugzeug war vom Badeort Scharm al-Scheich an der Südspitze der Sinai-Halbinsel auf dem Weg nach St. Petersburg. Das ägyptische Luftfahrtministerium teilte mit, der Kontakt zu der Maschine vom Typ A-321 sei 23 Minuten nach dem Start abgerissen. Ministerpräsident Scherif Ismail richtete einen Krisenstab ein. Es gebe keine Überlebenden, teilten die Behörden mit.

"Rettungskräfte haben Trümmerteile des Airbus 321 gefunden", sagte der Chef der ägyptischen Flugunfallbehörde, Ajman al-Mokdam. Der Fundort liege nahe des Al-Arisch-Flughafens im äußersten Norden des Sinai am Mittelmeer. Gerüchte, wonach der Pilot versucht haben soll, in Al-Arisch notzulanden, wurden von offizieller Seite zunächst nicht bestätigt.

Al-Mokdam sagte, die Maschine habe nach dem Start technische Probleme gemeldet. Der Pilot habe angekündigt, auf dem nächstgelegenen Flughafen zu landen. Danach sei der Kontakt zu den Fluglotsen abgebrochen. Der Flugschreiber soll bereits gefunden worden sein.

Das ägyptische Luftfahrtministerium teilte mit, es hätten sich 217 Passagiere und 7 Besatzungsmitglieder an Bord der Maschine der sibirischen Gesellschaft Kolavia befunden. Die meisten Fluggäste waren russische Urlauber.

Wie die staatliche ägyptische Agentur Mena berichtete, hob das Flugzeug um 05.51 Uhr ab. Nach Angaben der russischen Luftfahrtbehörde war die Maschine in St. Petersburg für 10.20 Uhr MEZ (12.20 Uhr Ortszeit) erwartet worden. Das Flugzeug war laut russischen Medienberichten etwa 18 Jahre alt und gehörte Kolavia seit März 2012. Nach Informationen der Webseite Flight Radar geht es um Flug Nummer 7K9268 der Gesellschaft Metrojet.

Der russische Wetterdienst Roshydromet teilte mit, in der Region hätten keine schwierigen Flugbedingungen geherrscht. "Es gibt etwas Bewölkung, die Sicht beträgt sechs bis acht Kilometer", sagte ein Mitarbeiter.

Ein ägyptischer Beamter des Katastrophenschutzes hatte zunächst Verwirrung gestiftet: Er hatte örtlichen Medien gesagt, das Flugzeug habe nur kurz den Kontakt zum Boden verloren und danach sicher den türkischen Luftraum erreicht. Ein türkischer Regierungssprecher sagte jedoch, man habe keine Informationen darüber, dass die Maschine je im türkischen Luftraum angekommen sei.

Medwedew soll Katastrophe untersuchen

Russlands Präsident Wladimir Putin ordnete die Bildung einer staatlichen Untersuchungskommission an. Die Leitung übernehme Regierungschef Dmitri Medwedjew, teilte der Kreml mit. Katastrophenschutzminister Wladimir Puschkow werde den Einsatz am Unglücksort koordinieren. Das russische Ermittlungskomitee untersucht auch, ob Sicherheitsbestimmungen verletzt wurden. Putin ordnete zudem sofortige Hilfe für die Angehörigen der Opfer an und sprach ihnen sein Beileid aus. Der Kreml erklärte den 1. November zum Tag der Trauer.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier übermittelte der russischen Bevölkerung sein Beileid: "Unsere Gedanken sind jetzt bei all denen, die durch dieses tragische Unglück so plötzlich ihre Liebsten verloren haben", sagte er. "Ich möchte in diesen schweren Stunden der ganzen russischen Bevölkerung mein aufrichtiges Beileid aussprechen."

Branchenberichten zufolge besuchten im vergangenen Jahr etwa drei Millionen Russen Ägypten – dies sei die größte ausländische Gruppe gewesen, hieß es. Reisebüros locken mit günstigen Pauschalangeboten und dem guten politischen Verhältnis zwischen Kairo und Moskau. Da westliche Touristen wegen mehrerer Terroranschläge und der derzeitigen autoritären Regierung das Land meiden, sind russische Gäste für die ägyptische Tourismusbranche von großer Bedeutung.