Auf dem Flughafen von St. Petersburg ist am frühen Montagmorgen eine erste Maschine mit Opfern des Flugzeugabsturzes in Ägypten gelandet. Nach Angaben von Vertretern des russischen Katastrophenschutzministeriums brachte die Maschine die sterblichen Überreste von 144 Insassen nach Russland zurück – ägyptische Flughafenvertreter hatten zuvor von 162 Leichen gesprochen. Ihre Identifizierung soll noch am Montag beginnen.

Der Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Metrojet war am Samstagmorgen kurz nach dem Start vom Badeort Scharm al-Scheich über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, die meisten davon russische Urlauber, starben. Die Unglücksursache ist noch unklar. An der Untersuchung der ägyptischen Behörden beteiligen sich auch internationale Experten.

Nach Angaben russischer Ermittler brach die Maschine bereits in der Luft auseinander. Das sagte der Leiter der russischen Luftfahrtbehörde, Alexander Neradko, im russischen Fernsehen. Der Chef des Luftfahrtkomitees, Viktor Soroschenko, sagte nach einem Besuch der Absturzstelle, "auf den ersten Blick" lasse sich keine These zur Absturzursache ausschließen. Die Trümmer des Airbus A321 seien auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern verstreut, ergänzte er russischen Agenturen zufolge.

Zu dem Absturz hatte sich ein ägyptischer Ableger der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Doch das halten die russischen und ägyptischen Behörden für wenig wahrscheinlich. Ein Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC) sagte ebenfalls, gegenwärtig könne keine Ursache ausgeschlossen werden. Das wahrscheinlichste Szenario sei ein Unfall, bedingt durch menschliches oder technisches Versagen. Die russische Flugaufsicht verbot der Fluggesellschaft Kolavia vorerst den Betrieb ihrer Maschinen desselben Typs. An den Ermittlungen zur Unfallursache sollen auch deutsche und französische Experten des Flugzeugbauers Airbus teilnehmen.

In Russland herrscht aufgrund des Unglücks bis Dienstag Staatstrauer. Fernsehstationen und Radiosender wollen weitgehend auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Behörden sagten Festveranstaltungen ab. Auf dem St. Petersburger Airport richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein, etwa 100 Angehörige würden von Psychologen und Ärzten betreut, hieß es.

Auf dem zentralen St. Petersburger Platz hatten am Sonntagabend mehrere Tausend Menschen der Getöteten gedacht. Vor dem historischen Winterpalast stiegen am Sonntag 224 weiße Ballons für die Opfer in den Himmel, viele legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Trotz des Regens waren viele Familien gekommen. Auch auf dem Flughafen in der Stadt erinnerten rote Nelken und Teddybären an das Unglück.