Technischer Defekt, menschliches Versagen oder Terroranschlag? Es wird viel über die Absturzursache des russischen Metrojet-Airbus spekuliert, konkrete Hinweise gibt es aber noch keine. Die Fluggesellschaft Kogalymawia (kurz: Kolavia) schließt einen technischen Defekt oder einen Pilotenfehler als Ursache für den Absturz ihrer Passagiermaschine aus.

Für den Absturz komme allein eine "äußere Ursache" infrage, sagte der Chef der Tochter-Fluggesellschaft Metrojet, Alexander Smirnow, auf einer Pressekonferenz in Moskau. Der Airbus A321 sei in "hervorragendem technischem Zustand" gewesen. Französische und britische Experten schließen daraus, dass es sich um Sabotage oder einen Anschlag handeln müsse.

Der Leiter der russischen Luftfahrtbehörde, Alexander Neradko, kritisierte solche Schlussfolgerungen als verfrüht. Die Ermittler hätten noch nicht genügend Informationen, um eine klare Aussage zu treffen, sagte Neradko in Kairo. Solche Schlüsse  könnten erst gezogen werden, nachdem Trümmerteile und Flugschreiber untersucht worden seien. Russische Ermittler haben bisher keine mögliche Ursache für das Unglück genannt. 

Das große Gebiet, in dem Trümmerteile des A321 gefunden wurden, deutet nach Angaben der russischen Luftfahrtbehörde allerdings darauf hin, dass der Jet in hoher Flughöhe auseinanderbrach. Experten zufolge kann das durch üblicherweise drei Szenarien geschehen: eine Wetterkatastrophe, eine Kollision oder eine Bombe oder Rakete. Möglich wäre aber auch ein Feuer an Bord. Smirnow äußerte sich nicht dazu, sage aber dass die Maschine in der Minute vor dem Absturz 300 Stundenkilometer Geschwindigkeit und 1,5 Kilometer Höhe verloren habe.

Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich wiederum auf Ermittlerkreise, nach denen das Flugzeug nicht von außen getroffen worden sein kann. Einer ersten Auswertung des Flugschreibers zufolge setzte der Pilot keinen Notruf ab, bevor die Maschine vom Radar verschwand, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Insider. Dass kein Notruf abgesetzt wurde, bestätigt auch Metrojet-Chef Smirnow.

Nach Angaben des Mutterkonzerns Kolavia wurde die Maschine erst vor Kurzem gewartet. Kolavia-Mitarbeiter Viktor Jung hatte nach dem Absturz gesagt, weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück bewirken können. Zum Absturz hätten starke Schäden an der Konstruktion des Flugzeugs geführt. Die Maschine konnte nicht mehr gesteuert werden. "Sie flog nicht, sie fiel", sagte Jung. 

Der Airbus wurde in Irland überprüft

Der Airbus gehörte der irischen Firma Wilmington Trust, die ihn an die Charterlinie Metrojet verliehen hatte. Weil das Flugzeug in Irland registriert war, musste es auch dort die jährliche Überprüfung der Sicherheitszertifikate durchlaufen. Im April und Mai war es zuletzt auf seine Flugtauglichkeit überprüft worden. Nach Angaben der irischen Luftfahrtbehörde waren alle vorliegenden Sicherheitszertifikate in Ordnung. Für die Wartung der Maschine und Feststellung ihrer Flugsicherheit an sich sind aber die russischen Behörden zuständig. 

Der Airbus A321 war am Samstagmorgen kurz nach dem Start vom Badeort Scharm al-Scheich über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, zumeist russische Urlauber, starben.

Zu dem Absturz hatte sich am Samstag ein ägyptischer Ableger der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt, doch russische und ägyptische Behörden dies für wenig wahrscheinlich. An der Untersuchung der ägyptischen Behörden beteiligen sich auch internationale Experten. Der  Geheimdienstdirektor der US-Regierung, James Clapper, nannte es unwahrscheinlich, dass der IS in der Lage sei, eine derartige Attacke auszuführen. Er schloss einen terroristischen Hintergrund aber auch nicht aus.