Die Flüchtlingszahl in Deutschland nähert sich der vom Bundesinnenministerium für das ganze Jahr 2015 vorausgesagten Zahl von 800.000. Von Januar bis Oktober wurden etwa 758.500 neue Asylsuchende und Flüchtlinge amtlich registriert, teilte das Ministerium mit. Allein im Oktober seien 181.200 hinzugekommen. Berücksichtigt man, dass viele Flüchtlinge erst mit Verzögerung registriert werden, dürfte die Zahl von 800.000 bereits übertroffen sein.

Allerdings haben beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im selben Zeitraum nur 362.153 Menschen einen Asylantrag gestellt. Das sind schon jetzt rund 160.000 mehr als im Gesamtjahr 2014, wo es knapp 203.000 waren. 

Laut Innenministerium traf das Bamf von Januar bis Oktober 205.265 Entscheidungen, mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Davon wurde 39,7 Prozent der Asylbewerber der Flüchtlingsstatus laut Genfer Konvention zuerkannt, sie dürfen damit in Deutschland bleiben. Die Zahl der noch unerledigten Anträge stieg jedoch bis Ende Oktober um fast 30.000 auf 328.207. Flüchtlinge, die bereits registriert sind, deren Asylantrag aber noch nicht erfasst wurde, tauchen in den Zahlen nicht auf.

Zudem dürften deutlich mehr Menschen eingereist sein, als Asylanträge gestellt wurden. Das legen Daten der Datenverwaltung Easy nahe, aus denen das Innenministerium zitiert. Demnach wurden dort allein im Oktober 181.166 Neuzugänge erfasst. Hauptherkunftsländer der Einreisenden waren im Oktober weiterhin Syrien (88.640), gefolgt von Afghanistan (31.051) und dem Irak (21.875).

Im Sommer hatte das Bundesinnenministerium seine Prognose für dieses Jahr auf 800.000 Flüchtlinge erhöht. Vertreter der Bundesländer und auch SPD-Chef Sigmar Gabriel sprechen längst von einer Million Flüchtlingen.