Bei der Ankunft eines Flüchtlingszugs ist es in Sachsen zu fremdenfeindlichen Krawallen gekommen. Am Sonntagabend versuchten nach Angaben der Polizei mehr als 80 Menschen in Meerane zu verhindern, dass die Asylbewerber am Bahnhof auf Busse verteilt werden. Als Polizisten die Blockade auflösen wollten, seien sie mit Böllern beworfen worden. Zwei Beamte wurden verletzt.   

Bereits am Nachmittag hatten sich rund 200 Demonstranten am Bahnhof eingefunden, darunter nach Angaben eines Polizeisprechers auch erkennbar Rechtsgerichtete. Als der Zug aus dem bayerischen Passau mit etwa 700 Flüchtlingen eingetroffen sei, habe sich die Lage zugespitzt. Polizisten hätten 83 Platzverweise ausgesprochen, 61 Personen weigerten sich jedoch, den Ort zu verlassen. Gegen vier Randalierer wurde Strafanzeige gestellt, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands. Drei wurden in Gewahrsam genommen. Nach Informationen des MDR waren rund 100 Polizisten im Einsatz.

Vor einer Woche war es bereits im sächsischen Freiberg bei der Ankunft eines Flüchtlingszugs zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. 400 Demonstranten versuchten dort die Weiterfahrt der Busse zu verhindern, 200 Polizisten waren im Einsatz, um die Blockade aufzulösen. Unproblematisch verlief dagegen die Ankunft von Asylbewerbern in Zwickau am Sonnabend. 750 Flüchtlinge, darunter viele Familien, wurden auf 15 Busse verteilt und in verschiedene Aufnahmeeinrichtungen gebracht.

Angriffe mit Baseballschlägern

Am Wochenende waren bei einer ganzen Serie von Anschlägen auf Asylsuchende in mehreren deutschen Städten mehrere Menschen verletzt worden. In Magdeburg und Wismar griffen jeweils größere Gruppen von Unbekannten Asylbewerber aus Syrien an, teilweise mit Baseballschlägern.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter, alle Bürger müssten Gewalt entschieden entgegentreten: "Jede Attacke auf Flüchtlinge ist ein Angriff auf unsere Demokratie." Der Vorstandsvorsitzende der Initiative Gesicht zeigen!, Uwe-Karsten Heye, sagte hingegen, Politik und Polizei unterschätzten die Gefahr durch Rechtsextremisten vollkommen. Es habe sich bereits beim Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gezeigt, dass und wie sehr ignoriert werde, dass "die größte innenpolitische Herausforderung der Bundesrepublik der Rechtsextremismus ist".

Heye kritisierte insbesondere die Polizei. Zahlreiche Taten würden nicht aufgeklärt. "Wer rechtsextremistisch denkt und disponiert ist in Deutschland, muss die wenigste Befürchtung vor der Polizei haben", sagte er. Eine organisierte Form des "Kampfes gegen Flüchtlinge" beobachtet Heye dort, wo die rechtsextreme NPD in Stadträten oder anderen demokratischen Gremien vertreten ist. Die Partei begebe sich zwar nicht an die "Front", schaffe aber die organisatorischen Voraussetzungen dafür.